Mit drei Bussen gemeinsam eine Reisegruppe zum Kölner Zoo bringen, das ist doch für den ersten Auftrag garnicht schlecht. Ich hatte gehofft, einen „richtigen“ Bus fahren zu dürfen, aber bei 110 Personen braucht man nur zwei Busse und einen 16-Sitzer. Ratet mal welchen ich gefahren habe? 😉

31072008(004)Naja gut, ich kann den Chef verstehen, dass er mich mit einem flammneuen Führerschein erstmal nicht auf einen 12m Bus setzen will sondern erstmal schauen möchte wie das so läuft. OK, das möchte ich auch, also ging’s für mich heute mit diesem Kleinbus nach Köln.


Um halb 9 sollte ich auf dem Hof sein, um 10 nach 8 war ich schon da. Kurz beim Chef gemeldet und er hat mir direkt den Kollegen genannt mit dem ich zusammen fahre. Der dritte Fahrer nimmt seinen Bus immer mit nach Hause und so treffen wir uns mit ihm vor Ort. Ich habe mir den Schlüssel geholt und den Bus von Parkplatz vor meine benachbarte Halle gefahren. Hier wollte ich noch eben den Wechselrichter einpacken, weil ich in der Wartezeit in der die Reisegruppe den Zoo besucht, nicht dumm rumsitzen wollte. Gerade schliesse ich die Halle ab, kommt der Kollege angelaufen und meinte dass ich hier nicht rausfahren dürfte, das würde Ärger geben. Klar, er weiss auch nicht, dass ich hier meine Bastelhalle habe. Nach kurzer Aufklärung war alles ok und ich habe mich erstmal vorgestellt.
Er ist dann wieder abgezogen und ich habe kurz vor halb 9 neben dem Setra der 200er Baureihe gestanden, mit dem er fahren wird.

Wir haben noch ein paar Worte gewechselt, das Gespräch ist ungefähr so verlaufen:
„Fahren Sie zum ersten Mal?“
„Ja, ist mein erster Tag heute.“
„Den Führerschein haben Sie auch gerade erst gemacht?“
„Ja richtig, letzte Woche.“
„OK, aber dann müssen Sie schauen dass sie dran bleiben, ich kann nicht ständig auf Sie warten.“
„Krieg ich hin…“

Mit einem Stirnrunzeln fülle ich die Tachoscheibe aus und warte dann, dass er losfährt, was er in diesem Moment auch tut. Um halb 9, der Zeitpunkt an dem ich auf dem Hof ankommen sollte, war in diesem Fall der Abfahrtzeitpunkt. Gut dass der Chef mich am Abend vorher noch kurz in den Iveco eingewiesen hat, sonst wäre der erste Ärger vorprogrammiert gewesen.

Eine viertel Stunde später standen wir in Stolberg in einem Wohngebiet und haben auf den dritten Kollegen gewartet, der kurz darauf auch kam. Er parkte allerdings rückwärts in eine Seitenstrasse ein, weswegen er erheblich leichter wieder abfahren konnte. Etwas später kam eine große Gruppe von Kindern mit Betreuern, die nacheinander in den Bus in der Seitenstrasse und den Setra einstiegen. Für mich als Restbus blieben am Ende 3 Kinder und 4 Betreuer übrig. Mein „Leitbusfahrer“ wollte übrigens nicht rangieren und so haben wir eine kleine Rundfahrt durch Stolberg unternommen. Ich vermute, dass uns der andere Kollege weit voraus war.

Die Anfahrt zum Zoo erfolgte entgegen der Empfehlung von Google Maps über die A4, dann die A555 nach Köln rein. Nach ein paar hundert Metern fährt man an einem großen Kreisverkehr schräg rechts ab und kommt dann auf die Rheinuferstrasse. Dieser folgt man dann einfach bis zur Zoobrücke.
Um halb 11 waren wir vor Ort und haben an einer Bushaltestelle auf der gegenüberliegenden Strassenseite angehalten, einen Busparkplatz oder zumindest eine Ausstiegsmöglichkeit für Besucher sucht man hier vergeblich. Zumindest haben wir keine angefahren, ich bin davon ausgegangen dass der Setra-Fahrer eine gewusst hätte.

31072008(003)Nach 2 Minuten sind alle raus, der Bus kontrolliert dass nichts liegen gelassen wurde und wir auf dem Weg zum Buspark. Bereits auf der Rheinuferstrasse haben ständig Hinweisschilder den Parkplatz ausgewiesen. Etwas weiter vom Zoo aus Richtung Norden, nur 2-3km, liegt dieser Platz. Und tatsächlich kann man hier auch relativ gut stehen. Ich steige aus in Erwartung der Dinge die da nun kommen.

31072008(002)Was kommt ist ein kleine Unterhaltung, mehr ein Monolog, der ungefähr so ablief: „Da können Sie so nicht stehen bleiben, das Ordnungsamt kontrolliert hier ständig. Ich gehe jetzt etwas spazieren, esse was und lege mich dann hin. Ich hatte gestern einen stressigen Tag, und zu Busfahrergesprächen eigne ich mich sowieso eher nicht. Seien Sie um halb 4 wieder hier.“

Ich mache eine abweisende Geste als Bestätigung, dass ich Ihm sowieso kein Gespräch aufdrängen wollte, schliesslich habe ich extra meinen Laptop mitgenommen und wollte mich damit beschäftigen. Also habe ich mich verabschiedet und bin mit dem Bus ein paar Lücken weitergefahren und habe den Laptop aufgeklappt, – nur um festzustellen, dass es auf diesem ganzen verflixten Parkplatz kein gescheites Vodafone UMTS-Netz gibt. Selbst GPRS ging nicht, einfach ein Funkloch auf ganzer Linie. Und das mitten in Köln.
Nebenan stand ein Müllwerker und machte seine Pause, den habe ich kurzerhand angesprochen und nach einem netten Parkplatz gefragt. Er hat mir mehr die andere Rheinseite, Richtung Deutz und Poll verwiesen. In Deutz gibt es auch einige Cafes, in die man sich schön hinsetzen und pausieren kann.

Gesagt getan, da bin ich dann kurzerhand rübergefahren, allerdings habe ich mich vorher telefonisch beim Chef vergewissert, ob es denn auch in Ordnung sei, wenn ich in Köln etwas spazieren fahre. Ja wenn ich nicht den ganzen Tag rumfahre dann ginge das schon. Deutz ging aber schonmal nicht, Umweltzone, und der Bus hat keine Plakette. Nach einer Odysee zu einem Rheinwiesenrestaurant in Poll musste ich feststellen, dass dieses zu einem Campingplatz gehörte und erst um 13 Uhr aufmachte. Da es dort aber sehr ungemütlich war, bin ich zurück an die Poller Wiesen gefahren um dort in den Germania-Terrassen einen Kaffee zu trinken und meine Pause zu machen.

„Nee, Kaffee können Sie hier keinen kriegen, wir haben erst ab 16 Uhr auf und ausserdem kommt gleich eine Beerdigungsgesellschaft.“ schnarrte mir ein älterer Herr entgegen, und wieder hab ich mich zurück ins Auto verzogen. Gibt’s denn sowas? Nun wollte ich aber nicht noch mehr rumfahren und so bin ich einfach hier stehen geblieben. Erstmal hab ich schön eingeparkt unter Bäumen gestanden und vor allem gabs hier auch gescheites UMTS-Netz. Also hab ich es mir gemütlich gemacht, Laptop auf den Schoss, Türen und Fenster auf und losgesurft.

31072008(007)Etwas später fuhren die ersten Autos der Beerdigungsgesellschaft vor, ich hab mich aber einfach klein gemacht, und so hat keiner was gesagt. Etwa so gegen 14 Uhr kam auf einmal eine Frau, die ich vorher bei Nachfragen schon im Haus gesehen hatte, mit ihrem Hund zur Gassirunde raus. „Gehören sie zur Beerdigung?“ fragte sie schroff und mit etwas bösem Blick. „Nein“, sagte ich wahrheitsgemäß, „ich wollte eigentlich nur einen Kaffee trinken, ich konnte aber keinen bekommen weil erst ab 16 Uhr offen ist und die Beerdigungsgesellschaft ungestört sein sollte.“
„Watt? Dat jeht so aber nich“ kam die Antwort auf plattestem Kölsch. OK, denke ich mir, das ist der Rausschmiss, jetzt muss ich meinen Platz hier auch räumen…
„Wissense wat? Ich bring‘ Ihnen gleich nen Kaffee raus.“ Lies mich sprachlos stehen und zog mit Ihrem Hund los.

Bitte?

Kurze Zeit später kam Sie wieder.
„So, ich bringe Ihnen jetzt nen Kaffee raus“.
„Nee lassen Sie mal“ entgegne ich, „machen Sie sich mal keine Umstände“.
„Ach was. Oder wissense wat? Kommense einfach rein und setzen se sich auf die Terrasse, die Gäste sind sowieso in nem extra Raum. Sie brauchen doch nicht hier draussen im Auto zu sitzen!“
„Einverstanden, ich komme in 5 Minuten rein.“
Sachen eingepackt, Schuhe angezogen, Auto zugemacht und rein.

31072008(009)Bingo! So habe ich mir das vorgestellt! Hier sitze ich nun bis 15 Uhr, um halb 4 sollte ich ja wieder da sein. Ich schaue in der Satellitenansicht von Google Maps die Rheinuferstrasse entlang, angeblich soll es hier auch einen Busparkplatz geben. Ich finde ihn auch, man kann sogar Busse von oben sehen. Einfach mal hier klicken.

Auf dem Rückweg habe ich das dann mal genauer angeschaut.

31072008(010)Hier hinter diesem Gebäude muss man rechts reinfahren, ist ziemlich versteckt. Das Gebäude ist auch auf dem Google Maps link gut zu sehen.

31072008(011)Und da stehen Sie in Reih und Glied. Aaaber:

31072008(012)Gebührenpflichtig. Köln ist ganz schön unkooperativ was Ihre Touristen angeht…

31072008(013)Das ist die Haltestelle, hier haben wir die Gruppe rausgelassen und nun warte ich dass sie aus dem Zoo zurück kommen.

Auf dem Rückweg entlang der Rheinuferstrasse trennt uns dann mehrmals eine Ampel, der Setrafahrer wartet einmal, beim zweiten Mal fährt er weiter. Es dauert bis Aachen, genauer gesagt genau bis 1km vor der Autobahnabfahrt, bis ich ihn wieder eingeholt habe. Ich wäre dran vorbeigefahren, wenn ich ihn nicht gesehen hätte. Ich meine, er hätte ja auch mal 85 statt 100 fahren können, bis ich wieder aufgeschlossen hätte. Aber er hat mir ja schon gesagt, dass er nicht „ständig auf mich warten“ könne… Ahja, seine Handynummer wollte er mir erst auch nicht geben, er hätte schlechte Erfahrungen gemacht, wolle aber nicht darüber reden. Ich durfte die Nummer in die Wahlwiederholung tippen aber nicht speichern.
Na, dankeschön 😉

Zurück auf dem Hof in Aachen habe ich noch die Fenster geputzt und die Front abgewaschen, bei der Wärme sind doch einige Fliegen dran hängen geblieben. Um 17:30 war der Tag zu Ende.
Ich kann leider nicht sagen dass es mir wirklich Spass gemacht hätte…

7 Antworten zu “Der erste Auftrag: Kölner Zoo”
  1. Lutz sagt:

    Hi,

    Schade, das es nicht wirklich Spaß gemacht hat.
    Aber mit so Kollegen ist das natürlich auch nicht so einfach.

    Interessant war es aber doch sicher, oder?

    Liebe Grüße

    Lutz

  2. zurken sagt:

    Als ich anfing, Taxi zu fahren, hab ich mich mal am Halteplatz zu einer Gruppe Kollegen gestellt, die ham mich nicht mal angeguckt, geschweige denn mit mir geredet :-) Man muss sich bei den „Altgedienten“ erst bewähren, bevor die mit einem reden.

    Normalerweise fährst du aber nicht im Konvoy, sondern allein, schätze ich. Dann hast du „nur“ die Fahrgäste am Hals. Ich habs besser. Erstens kommen nur sehr wenige Kollegen zu mir zum Quasseln, zweitens hab ich nur max. 4 Fahrgäste, und drittens sind die in der Regel nach 5 Minuten wieder draußen :-)

  3. K u r v e n f r e u n d sagt:

    Hooo…. war det mein Tip mit dem Busparkplatz 😉
    Sorry… zu dem Zeitpunkt wusste ich noch net das
    du nur mit soner kleenen iveko gurke unterwegs
    warst! 😉 Ich dachte tatsächlich die hätten dir son
    12 Meter teil anvertraut.. 😉 *duckundweg*
    lg, der freund der kurven

  4. K u r v e n f r e u n d sagt:

    ahhh.. das war gar net nicht meine empfehlung!! 😀
    http://maps.google.de/maps?f=q&hl=de&geocode=&q=k%C3%B6ln&ie=UTF8&t=h&ll=50.955254,6.973491&spn=0.001632,0.003369&z=18
    das hatte ich vorgeschlagen! da sieht man auch paar womos von oben! und gleich neben dem zoo! 😉
    lg,k

  5. Martin sagt:

    Hi auch!
    Ich glaube über diesen Platz haben sich die Busfahrerkollegen kurz unterhalten, angeblich wird man hier vom Ordnungsamt weggescheucht bzw. direkt aufgeschrieben. Hab ich mir dann gespart. Aber ich schau es mir das nächste Mal zumindest mal an!

    Martin

  6. Strati sagt:

    Huhu Maddin,

    konnte nun auch mal den ganzen Beitrag lesen, schade, dass dir die erste Tour nicht gefallen hat, aber dann wird die zweite bestimmt besser…

    Gruß,
    Jens

  7. also wenn du nicht nach Deutz kommst wegen der fehlenden Plakette denk ich kommst du auch nicht von der anderen Seite bis an den Zoo.
    oder sollte es tatsächlich eine besucherfreundliche nicht plakettennotwendige Einfallsstrasse in die Stadt geben ?
    bei uns haben die Serie Dailys aber probelmlos die gelbe Plakette bekommen. und da am Rheinufer was du in goooooogle maps zeigst stehen weiter nördlich in der Nähe der Zoobrücke immer ein paar Wohnmobile, so vielleicht mal als Alternative zu dem stellplatz in Frechen an der KVB :)

  8.