Heute komme ich zum Bushof um eine kleine Gruppe Kegeldamen nach Ahrweiler zu fahren. Das übliche, ein Wochenend-Ausflug. Ich bringe sie heute hin, ein Kollege holt sie Sonntag wieder ab. Weil es eine kleine Gruppe ist, bekomme ich einen 9-Sitzer Sprinter, aber ein neues Modell mit Navi und allem Zip und Zap. Naja, auch wenn die Autos immer kleiner werden, dafür fahren sie dann ohne Begrenzer.


Ich komme da also auf den Hof, kommt mein Chef auf mich zu und fragt „Haben Sie schön gehört? Nebenan in Ihrer Halle wurde eingebrochen!“ Was? Nee.. Wie jetzt?
Für diejenigen, die es nicht gelesen haben: Ich habe mich angrenzend an den Bushof in einer Halle eingemietet. Dort habe ich meine Werkstatt.

Ich geh also mal flugs rüber und schliesse auf. Nee alles in Ordnung. Sicher? Ja, hätte die Kollegin gerade gesagt. Wo ich genau hinschaue, sind tatsächlich ein Schloss am Werkzeugwagen verbogen. Der Wagen ist auf, aber nichts fehlt. Ein Schloss am Schrank ist ebenfalls verbogen, aber nicht auf.
Egal, ich muss langsam mal los, es wird knapp. Da kommt mir der zweite Mieter entgegen und winkt hektisch. Wir sprechen uns kurz ab und tauschen die Telefonnummer aus. Ich muss nun wirklich los…
Noch kurz mit dem Chef gesprochen, und ich bin unterwegs. 5min zu spät werde ich wohl kommen.
Ganz in Gedanken biege ich auf die Strasse zum Treffpunkt ab, aber in die falsche Richtung. Schon stecke ich in der Baustelle und so bin ich am Ende 20 Minuten zu spät. Ich laufe auf die Damen zu und entschuldige mich schonmal, ich würde gleich alles erklären. „Nein!“ meint eine der Damen, „letztes Mal ist der Fahrer auch schon zu spät gekommen, Ihre Entschuldigung werden wir nicht gelten lassen!“
Ohje, das kann ja was werden. Die Gruppe schaut durch die Bank sehr verbittert und böse. Kein Wunder…

In Windeseile lade ich die Koffer rein, die Damen steigen ins Auto und nehmen Ihre Plätze ein. Ich setze mich auf den Fahrersitz, stelle mich brav vor und erkläre wahrheitsgemäß was passiert ist, und dass das Unternehmen keine Schuld trifft. Auch dass ich in meiner „Verwirrung“ falsch abgebogen bin erzähle ich. Darauf wissen die Damen dann auch nichts mehr zu sagen, ich druckse noch ein wenig rum.

Von hinten ruft auf einmal eine der Damen „Schauen Sie mich mal an!“. Ich schaue hin, was kommt jetzt?
Sie schlägt ein Kreuz in meine Richtung und sagt „Ihnen ist vergeben!“ Allgemeines Gelächter, ich grinse und drehe mich um, mir fällt ein Stein vom Herzen.
Nach nur knapp einer Stunde sind wir da und die Damen sind sehr zufrieden mit meiner Fahrweise, und freuen sich auf ihr Kegelwochenende. Ich werde gefragt ob ich sie wieder abhole, erkläre aber dass ich zu der Zeit eine andere Tour habe. Das Trinkgeld ist trotzdem üppig!

Na, das ist nochmal gut gegangen. Aber nochmal brauche ich das nicht.

19092008

2 Antworten zu “Die erste richtige Verspätung”
  1. Strati sagt:

    Dir sei vergeben, wie niedlich… bist aber auch ein kleiner „Schleimer“…

    Ich würde die Fahrt mit einem freundlichen „Tadaaa, da isser , der Martin, Ihr Bus-Fahrer – etwas zu spät, aber wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, wer zu früh kommt die eigene Frau…“ beginnen 😉 – haste auch die Lacher auf deiner Seite… gewiss!

  2. Martin sagt:

    Du hast die Gesichter nicht gesehen. Da war nur noch zu Kreuze kriechen drin…

  3.