Heute mit einem 22 Sitzer Iveco – ich nenn die Dinger wegen ihrer nationalen Herkunft und Qualitätsmerkmale Pizzablech – und Anhänger zum Flughafen und dann gleich weiter ins Siegerland. Hier sollte ich eine kleine Gruppe abholen, die am Freitag von einem anderen Kollegen hingefahren wurde.
Aber wenn ich nur darüber schreiben würde, wäre es ja keinen Blogeintrag wert. Nur soviel voran, es wird ein etwas längerer Text :)


Ich komme also morgens auf den Hof, mit mir zusammen ein zweiter Kollege. Der Iveco steht an seinem Platz, ich fahre den heute zum ersten Mal. Nach kurzem Umsehen im Auto finde ich an der bisher von baugleichen Autos gewohnten Stelle keinen Knopf um die Fahrgasttür zu öffnen. Kurz den Kollegen gefragt, „Der Knopf ist oben am Himmel“. Ja da hätte ich lange suchen können.
Drücken – Tür auf. Nochmal drücken, Tür immer noch auf. Das selbe Spielchen wiederhole ich einige Male, schaue verwirrt den Kollegen an der mir zusieht, und schliesslich versucht er sich selbst mal.
Aber es hilft nichts, die Tür geht nicht mehr zu. Chef anrufen, er erklärt kurz wo sich ein Hebel befindet, der die Türmechanik aushebt damit man die Tür von Hand öffnen kann. Geht auch, nur der Motor will die Tür immer nur aufmachen, nicht zu.

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Der Rechte ist es…

Die Idee, die Tür mit einem Gürtel zuzuhalten finde ich nicht besonders lustig, und nach einigem Hin und Her bekomme ich auf einmal die Anweisung, den älteren Setra für die Tour zu nehmen. Ein 215UL, 12m langer Überlandbus, vor allem aber ein BUS!
Boah, muss erst sowas passieren, bis ich mal ein _richtiges_ Auto fahren darf? Egal, die Zeit wird knapp, ich finde den Türöffner in der Tankklappe und habe mich recht schnell mit dem Wagen vertraut gemacht. Tachoscheibe rein, los gehts!

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Kein modernes Cockpit, aber ein Bus!

In Stolberg komme ich ein paar Minuten zu spät an, stelle mich kurz vor, um dann die Kofferraum Klappen für das Gepäck der immerhin 20 Fahrgäste zu öffnen. Nach einigem probieren klappte das aber nicht, so dass wir uns kurzerhand entschieden haben, das Gepäck so sicher wie es ging, in den Sitzen zu verstauen. Immerhin waren die Hälfte der Sitze frei, da kann man schon so packen dass nichts beim Bremsen nach vorne fliegt.
Kurz vor der Abfahrt versuche ich noch einmal die Klappen zu öffnen, und siehe da, es geht. Man muss nur etwas sanfte Gewalt benutzen, – die Klappen gehen eben nicht so leicht auf wie bei modernen Bussen. Aber nun ist das Gepäck drin, und die Leute haben ihre Plätze eingenommen. Ich halte nochmal eine kleine Rede, versuche die Situation etwas aufzulockern, und kurz darauf geht es mit halbwegs gut gelaunten Fahrgästen zum Flughafen.
Innerlich bin ich froh, dass ich mir zwei Tage vorher die Bus-Spuren dort nochmal genau angeschaut habe, so muss ich mit dem Bus nicht suchen.
Alles klappt reibungslos, am Flughafen ist die erste Etappe zu Ende. Leider kein Trinkgeld, aber was solls. Ich fahre BUS! 😀

Kurz das Navi eingestellt, bis ins Siegerland nach Eitorf sind es nur 35km, na immerhin! Der Weg dorthin geht zur Hälfte über die Autobahn, die andere Hälfte über die Landstrasse.

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Kleine Pause auf dem Seitenstreifen, das ist der Setra den ich heute fahre.

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Im Spiegel sehe links genau den Streifen, rechts genau die Grasnabe.
Und schön ist es hier!

Kurze Zeit später komme ich dort auch an, das Hotel liegt am anderen Ende des Ortes.
Direkt nach der Orts-Einfahrt: „Durchfahrt Eitorf gesperrt, bitte Umleitung folgen.“
Nanu?

Was folgt ist eine Odysee durch Wohngebiete und Seitenstrassen, in denen man selbst mit eingezogenem Hintern nicht mehr zwischen dem Bus und den parkenden Autos hätte durchgehen können. Zwischendurch nach dem Weg gefragt, ja das ist hier richtig. Einfach der Umleitung folgen. Na super.

Es klappt aber, die erste Busfahrt ist eine richtige Herausforderung, aber genau so etwas finde ich toll! Andere würden fluchen, mit Schweissperlen auf der Stirn, mir mach sowas richtig Spass!

Ein paar Nebenstrassen später sehe ich auch warum, auf der Bundesstrasse durch Eitorf ist eine Kirmes aufgebaut. Ich fahre direkt daran vorbei, nur eben von hinten kommend. Dann noch einen Kilometer Bundesstrasse und ich kann vorm Hotel einparken.

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Nicht gerade für Busse ausgelegt, aber man kann sich auch Platz machen :)

Unterwegs habe ich noch einen weiteren Busfahrer mit einem Sprinter gesehen, den ich hier auf dem Parkplatz wieder gefunden habe. Er war ganz nett, kannte sich aber hier mit allem und jedem aus und begrüßte das Personal mit Umarmung. „Busfahrer müssen hier nichts bezahlen, nehm Dir mal nen Teller, es gibt noch Mittagessen“. Ja prima, dann mach ich das doch mal.
Was folgte war eine Diskussion seinerseits mit der Küchenchefin, wir sollten gefälligst bezahlen, wir Busfahrer wollten immer alles geschenkt haben. So ginge das nicht. Neuneuroachzig bitte!
Er murrte rum, sie bereitet zwei Quittungen vor. Beim Nachtisch spricht sie mich noch einmal an, ja klar, ich hole gleich das Geld aus dem Bus.

Kurze Zeit später stehe ich wieder vor ihr und wedele mit einem Zehner. Sie ist immer noch muffig, und ich sage ihr mit einem möglichst ernsten Gesicht: „Ich will ihnen mal was sagen…“.
Sie guckt böse und erwartungsvoll.
Ich: „Das war der beste Sauerbraten, den ich seit langem gegessen habe! Dafür zahle ich auch gerne 10 EUR“ – „Was?!“ Ein verwirrtes Gesicht schaut mich an.
„Ja, es hat wirklich gut geschmeckt, vielen Dank. Wo kann ich den noch einen Kaffee bekommen?“
„Den müssen sie bei einer Kollegin bestellen. Wo ist denn ihr Busfahrerkollege hin?“
„Ich glaube der ist nach hinten gegangen, ich habe aber nicht viel mit dem zu tun, habe ich erst hier kennengelernt“
„Na toll, immer dasselbe mit dem Kerl. Riiitaaaa, mach dem jungen Mann hier mal nen Kaffee!“ ruft sie nach hinten, und schaut mich dann wieder an. „Der Kaffee geht aufs Haus.“
„Dankeschön, darf ich mich damit nach draussen setzen?“
„Ja klar, gehnse mal hinten rum, da sind die Terrassen.“

Hehe…

Auf den Terrassen lerne ich meine Fahrgäste kennen, 9 rüstige Damen, ich würde tippen im beginnenden Frührentenalter. Sehr nett schonmal, ich werde direkt zu einem Kaffee eingeladen und unterhalte mich mit ihnen.
„Ja, wie sind sie denn jetzt hierhin gekommen?“ werde ich gefragt.
Naja, ich habe erklärt wie ich durch die Siedlung gezirkelt bin, weil im Ort Kirmes ist.
„Ja, das haben wir auf der Hinfahrt gesehen. Wir haben dem Fahrer noch gesagt, ob er den nicht Bescheid sagen will. Der wollte aber nicht. Er meinte ‚Ich musste auch da durch, da soll der Kollege am Sonntag mal schön selbst zusehen.'“
Wassas? Ich kann kaum verbergen, was ich in dem Moment denke.
Und, liebe Blogleser, genau einmal dürft Ihr raten, welcher Kollege die Damen am Freitag hingefahren hat. Das ist doch unglaublich!

Zur vereinbarten Zeit stehen die Damen vor dem Bus und ich lade die Koffer ein. Ich erkläre noch, warum es so ein großer Bus für 9 Leute geworden, nämlich weil ich vorher eine große Gruppe zum Flughafen gebracht habe. Von einem Bus mit defekter Tür müssen die ja nichts wissen…
Unterwegs halte ich einmal an um die Fenster und Dachluken zuzumachen, und noch einmal in Frechen zu einer kleinen Toilettenpause.
„Das ist aber toll. Sagen sie mal, wie können wir sie denn wieder buchen? Wir sind ja schon oft gefahren, aber sie sind der netteste Busfahrer, den wir bisher hatte.“

Oha, das ist toll, aber freut mich nur bedingt. Ich schleim hier nicht rum oder sowas, ich versuche einfach nur höflich und zuvorkommend zu den Fahrgästen zu sein, aber der netteste Busfahrer den sie je hatten? Hm…

Kurz vor dem Ziel in Aachen halte ich noch an einem Taxistand an und bestelle einen Wagen zur Ausstiegsstelle, weil nicht alle Damen abgeholt werden. Das klappt auch gut und wird beim wieder reinkommen mit Applaus belohnt. Nach dem wir angekommen sind, lade ich die Koffer aus und die Damen verabschieden sich, auch von mir. Eine fällt mir spontan um den Hals, du liebe Güte was habe ich denn nur gemacht?

Ein schöner Tag, ich bin immer begeisterter von meinem neuen Job.

Ich habe aber lange überlegt, ob ich das alles wirklich so bloggen soll, aber es ist immerhin so passiert. Auch wenn es nach Selbstbeweihräucherung klingt, finde ich es doch wichtig zu erwähnen. Das sind für mich wichtige Erfahrungsmomente, und vor allem zeigt es mir, dass Busfahren und mit Fahrgästen umgehen kein Hexenwerk ist. Allerdings läßt es in mir auch echte Zweifel aufkommen, – es kann doch nicht sein dass die Kollegen alle frech und unverschämt sind? Nee, wirklich nicht. Ich glaube ich muss mehr Fahrten zu zweit machen, das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen.

Aber solche Komplimente wie heute tut gerade in den Anfängen der Busfahrerei doch sehr gut.

:)

4 Antworten zu “Flughafen und Siegerland und ein kaputtes Pizzablech”
  1. also ich find es schön wenn meine Arbeit gewürdigt wird, da brauch ich auch kein Trinkgeld aber es darf gerne jeder sagen das er meine Arbeit gut findet.
    und ich halte das jetzt auch nicht für Beweihräucherung oder so, warum solltest du das nicht so aufschreiben?

  2. Lutz sagt:

    Na da bist Du ja doch noch auf nen echten Bus gekommen.
    Und der steht ja jetzt ohne Makel wieder auf dem Hof, da wird der Chef auch sehen dass Du das kannst…

  3. Strati sagt:

    Glückwunsch zur ersten dienstlichen richtigen Busfahrt!

    Und wann veranstalten wir nun unsere Kaffeefahrten?

    Hätte da schon ein paar Ziele für alte Leute, der Lindt Werksverkauf z.B. 😉

  4. Felix Maier sagt:

    Ist das cocpit oben nicht von Kocher I Lutz

  5.