So einen habe ich heute kennen gelernt. Gestern nachmittag die Meldung vom Chef, morgen früh um halb 4 los nach Bad Bocklet, eine Gruppe Senioren von einem Urlaub zurückholen. 400km weit weg, ich soll mit einem Kollegen zusammen dahin fahren. Mit einem 24-Sitzer Toyota Bus mit Frontmotor und Anhänger fürs Gepäck. Mit dem Bus bin ich am Abend noch aus Düsseldorf zurück gekommen. Ich hab den Chef, der durch Zufall noch da war, gefragt ob ich noch tanken fahren soll. „Ach nee, der Fahrer morgen hat ne Karte, Ihr könnt unterwegs tanken“.
Na dann ist ja gut.


Um viertel nach 3 war ich dann schon am Platz, ich wollte schonmal den Bus holen und den Hänger ankoppeln, aber der Kollege dachte sich wohl ähnliches und stand schon abfahrbereit auf dem Hof. Ich also rein, „Guten Mooorgen!“ und gewartet bis ich ihm mal die Hand geben konnte um mich vorzustellen. Aber Fehlanzeige. Er war über den Fahrtenschreiber mit Kartenleser (neudeutsch: digitales EG-Kontrollgerät) gebeugt und fluchte, weil die Schublade für die zweite Karte nicht aufging.

Er fluchte, drückte wild auf den Knöpfen herum, und ich hab ihn mal machen lassen. Nachdem er aufgegeben hatte, hab ich gefragt ob ich mal darf. Nicken. Ich hab die Eingaben für seine Karte (Fahrt nachtragen) erstmal komplett zu Ende bestätigt und dann nochmal den Auswurfknopf betätigt – Schwupps war die Schublade draussen. Kurz erklärt was ich gemacht habe, keine Antwort, alles klar.
Ich geh noch einmal um den Hänger und schaue ob Licht geht und das Seil eingehängt ist. Dann fahren wir los.

Als erstes wird gemeckert, dass der Wagen nicht getankt ist. Ich erkläre ihm kurz dass ich das war und eigentlich tanken wollte, aber nicht sollte. Keine Antwort.

Nach etwas über zwei Stunden erreichen wir auf der A45 den Rasthof Katzenfurt, hier gibts eine Kaffeepause. Der Kollege sieht immer noch total fertig aus, und ich bietet an, weiterzufahren. Ja, soll ich mal machen. Ob ich mein Navi anschliessen soll? Nee, sowas brauchen wir nicht. Ah, denke ich, ein Verweigerer… OK, er kann ja auf die Karte schauen, die er bei hat. Konversation bisher geht gegen Null. Seine Laune ebenfalls. Blödmann, denke ich mir.

Eine Stunde später ist der Kaffee bei mir durchgelaufen, ich fahr auf einen Parkplatz und von rechts kommt gemecker, dass wir schon viel zu spät dran wären. Ich beeile mich also, ruck zuck sind wir wieder auf der Bahn. Nachdem ich hin und her rechne, denke ich mir so, dass wir doch noch immer locker eine halbe Stunde vor Abfahrtstermin um halb 10 vor Ort sind, was sollen wir dann so hetzen?

Und jetzt wirds langsam „lustig“…

Ich komme nämlich durch sein ständiges Motzen in Selbstgesprächform nach und nach dahinter, dass er fürchtet, um sein Frühstück gebracht zu werden, deswegen will er gerne eine Stunde vor Abfahrt dort sein. Um sein Frühstück beim Hotel abzustauben. Na, daran hab ich ja mal gar nicht gedacht. Ich hab mir eigentlich Brote gemacht. Und dafür so eine Hetze? Achje…

Auf dem Giessener Ring auf einmal rappeln unterm Bus. was mag das sein? Ein Passatfahrer hält uns an, das Stützrad vom Hänger läuft mit. Achje.
Der Kollege geht raus und demontiert es in Einzelteilen. Ich erspar mir den Kommentar. Ich hab den Hänger ja kontrolliert, nur am Stützrad wollte ich nicht wackeln weil der morgens eh schon so mies gelaunt war – wahrscheinlich hätte ich mir dafür nen Spruch eingefangen.
Das nächste Mal mache ich es trotzdem.

Um 9 Uhr sind wir da und ich stelle den Tacho auf Pause. Kurzes Begrüßen, „Sind Sie der Busfahrer?“ Er: „Ja! Wir müssen aber noch eine halbe Stunde hier warten bis wir wieder fahren dürfen“. Ok, wir gehen also runter in den Frühstücksraum, jeder ein Brot und eine Tasse Kaffee. Irgendwann fängt er an zu drängeln „nun müssen wir uns aber sputen, sonst wird das Trinkgeld weniger“.
„Weisst Du was“ sag ich, „trink Du mal in Ruhe aus, ich geh schonmal hoch und lade Koffer ein, dann fühlen die sich nicht so alleine gelassen“. Dreh mich um und gehe. Auf der Treppe merke ich, dass er direkt hinter mir ist. Das hatte ich mir doch eigentlich anders gedacht. Naja, aber auch gut.
Dann schnell Koffer einladen und alles einsteigen. Noch bevor ich richtig einsteigen kann, sitzt er vorne auf der Motorkiste, mit dem Micro in der Hand. Es sind noch gar nicht alle drin, ich helfe den Omis noch beim Einsteigen. Er sagt aber nichts. Er hält es einfach nur fest. So langsam ahne ich was.

Bevor wir losfahren muss ich nochmal zur Toilette, in dieser Zeit schwingt er seine Rede an die Nation und darauf können wir losfahren. Schade, hätte ich gerne gehört, mehr Erfahrung hat er ja nunmal. Eine Empfehlung von mir, wie wir fahren könnten um sein umständliches Wendemanöver zu umgehen, wird überhört. Ebenso wie das Angebot, sich um die Heizung und das Radio zu kümmern. Ich mache es dann einfach so zwischendurch mal, wie es erforderlich ist.

Irgendwann wird es zu warm, also Klimaanlage an. Dazu sollte man dann aber vielleicht auch die Heizung ausmachen. Ich weise ihn darauf hin, kein Kommentar. Ich denke er hat mich nicht gehört, also mach ich die Heizung selbst aus. „Mensch bin ich froh dass ich Dich bei mir habe“ höre ich zum Dank. Ich schlucke. Was denkt der sich?
„Gut, ne? Ich werd mal fragen, ob wir nicht mal öfters zusammen fahren dürfen“ ist meine Antwort.

Boah… Innerlich koche ich. Was denkt dieser Spacko sich eigentlich wer er ist? Langsam wird mir die ganze Situation klar. Ich bin der zweite Busfahrer, und werde ich auch behandelt. Der erste ist der erste, der betreut die Gäste, der bestimmt wo es lang geht und was gemacht wird. Der zweite ist nur ein Statist der das Gaspedal drücken darf. Mehr nicht. Da fällt mir nicht mehr viel zu ein. Der Typ benimmt sich so, dass erst überhaupt keine Diskussion aufkommen kann. Dieser Sorte Kollegen ist einfach nicht beizukommen, also versuche ich es garnicht.

Ausserdem verhält der sich genau so, dass er beim Fahrgast einen möglichst trinkgeld-optimierten Eindruck hinterläßt. Das ganze geht sogar soweit, dass er kurz vorm Ziel – ich fahre die letzte Etappe – in seiner Ansage zum Ende der Reise an die Fahrgäste darauf hinweist, das sich Busfahrer immer über ein üppiges Trinkgeld im Umschlag oder Becherchen freuen.
WAS?!!

Nee, ich glaub das nicht. Wie kann man denn nach Trinkgeld fragen? Also das find ich dreist. Auch wenn ich den Beruf des Busfahrers noch nicht lange kenne und mir die Gepflogenheiten nicht wirklich vertraut sind – das geht mir eindeutig zu weit. Bisher habe ich bei jeder meiner Fahrten immer zwischen 10 und 20 EUR bekommen – ohne dass ich danach gefragt hätte! Aber ich halte nach seiner Rede mal lieber schön still, was soll ich denn dazu sagen?
Ganz einfach: nichts. Ich werde es selbst einfach anders machen, besser. Fertig. Dieser Kerl ist nun wirklich das perfekte Beispiel des Busfahrers wie ich es nie werden möchte.

Nachdem wir die Fahrgäste abgesetzt haben, sind wir am Nachmittag wieder auf dem Hof. Eine halbe Stunde später habe ich das Auto saubergemacht und weggefahren und sitze beim Chef im Büro.

„Also Chef, mit dem Kollegen möchte ich glaube ich nicht mehr fahren. “
„Wieso, gab es Stress?“
„Nein. Aber ich denke die Chemie stimmt da einfach nicht.“

Das muss reichen.

2 Antworten zu “Kollegen, die die Welt nicht braucht”
  1. zurken sagt:

    von der Sorte hatte ich kürzlich mal wieder einen im Taxi, denen kann man es nichts recht machen…. Vor allem, wenn du was besser kannst als er, wie das mit dem Fahrtenschreiber…

  2. Strati sagt:

    Auf Mallorca fragen die Busfahrer auch gezielt nach Trinkgeld, lass dich durch solche „Fahrer“ nicht beirren, geh deinen Weg und alles wird gut…

    By the way, bei so einem „Fahrer“ müsste der „Statist“ doch auch eine höhere Gage bekommen, wieviel Trinkgeld gab es denn nun durch die gezielte Bewerbung des Umschlages / Becher??

  3.