Um 8.45 Uhr die Fahrgäste aufnehmen hiess heute für mich um halb 6 aufstehen. Erstmal wollte ich etwas Puffer haben, ausserdem bin ich beim Zurückrechnen auf diese Zeit gekommen.
Um 8.45 Uhr die Fahrgäste aufnehmen heisst eine viertel Stunde vorher da sein, 8:30 Uhr. 20 Minuten hinfahren, 8:10 Uhr. Getränke am Wohnmobil einladen und Kaffeemaschine anschmeissen, also 7:45 Uhr ab Bushof losfahren. Abfahrkontrolle 15 Minuten, 7:30 Uhr. Schlüssel holen, nochmal in dem Bus zurechtfinden, Puffer einplanen, 7 Uhr da sein, viertel vor 7 mit dem Linienbus fahren also halb 7 aus dem Haus gehen. Zu Hause Brote machen, auch wenn der Busfahrer normalerweise verköstigt wird – ich will mich nicht darauf verlassen. Duschen, anziehen Tasche packen, halb 6 aufstehen.

Na toll…
Genau wie ich es ausgerechnet hatte, kam es dann auch. Der Bus den ich nehmen sollte musste eigentliche noch getankt werden. Das wiederum hatte sich aber dadurch erledigt, dass der Bus gar nicht am Hof war. Ich sollte einen anderen nehmen, aber ein identischer Mercedes Tourismo, alles genau gleich. Der musste aber noch eben in die Waschanlage. Mit Navi anschliessen, alles durchsehen und Getränke abholen bin ich am Ende dann doch erst um 20 vor 9 bei den Fahrgästen gewesen, auch der Weg durch die Stadt hat sich ziemlich gezogen.

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Eingestiegen sind dann ca. 20 junge Ingenieure, ich glaube ich war dann doch der älteste im Bus. Schlips und Kragen hätte ich mir dafür sparen können, aber der Disponent meinte dass er die Fahrgäste nicht kennen würde, also lieber auf Nummer sicher.

Was leider völlig in die Hose gegangen ist, war meine Ansage. Ich habe mich vorne in den Bus gestellt mit dem Blick nach hinten, dabei etwas rumgestottert, und versucht einiges zum Thema Sicherheit im Bus erzählt. Nur will vor dem Antritt der Fahrt keiner hören dass im Notfall mit der Benutzung des Nothammers nicht gezögert werden sollte, und was bei Rauchentwicklung im Bus zu tun ist. Ich mein aber dass die Fahrgäste das hören sollten, ich muss es demnächst einfach anders verpacken.

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Mein Vorhaben, Getränke im Bus zu verkaufen und dazu die erste Runde Kaffee auf meine Kosten auszuschenken, fanden einige gut, es blieb dann aber bei 2 Kaffee. Insgesamt 2 Kannen = 4 Liter hatte ich gekocht und dazu extra am Vortag die Anleitung für die Maschine mit nach Hause genommen.
Schade auch…

Der Rest lief gut, die angekündigten Staus hatten sich aufgelöst und wir waren in ziemlich genau 2 Stunden in Hamm. Dort habe ich die Fahrgäste rausgelassen, vorher meine Handynummer einer jungen Damen gegeben, die sich etwas mit der Organisation beschäftigte und eine Liste in der Hand hatte. Um 17 Uhr sollte ich wieder da sein, dann ging es zum Essen, wohin wissen sie noch garnicht.

In der Zwischenzeit habe ich einen Bekannten in Hamm besucht, der nebenberuflich Busse zu Wohnmobilen umbaut, den Tourismo wollte ich ihm dazu aber nicht da lassen :)

Pünktlich um 17 Uhr war ich wieder am vereinbarten Ort, deutlich durchgefroren und teilweise reichlich mit Glühwein aufgefüllt kamen alle wieder in den Bus und freuten sich, dass ich vorher durchgeheizt hatte. Auf meine Frage hin erklärte man mir, dass hier das neue Büro Richtfest hatte, und natürlich gibt es ein einem Rohbau noch keine Heizung.
Na, herzlichen Glückwunsch!

Wie gesagt bekam ich erst die Adresse des Restaurants in welches es nun noch gehen sollte. Schnell ins Navi eintippen, ach je, am anderen Ende der Stadt. So einfach wie ich mir das dachte war das dann aber mal garnicht, ich glaub bei sowas muss man einfach Karten dabei haben. Mitten durch die Stadt zu gurken kann klappen, kann aber auch in die Hose gehen. Oft ist ein Stück Autobahn schneller als der Stadtverkehr, und in diesem Fall wäre es ganz sicher so gewesen. Auf halber Strecke stand ich nämlich vor einem Bahnübergang mit schönen roten Lampen in Form einer Absperrung. Na toll.
Eine Passantin hat dann irgendwann mal eine Idee gehabt, wohin wir wollten und mir ungefähr den Weg erklärt. Nun musste ich in dieser nicht allzu großen Nebenstrasse den Bus mit Fahrgästen rückwärts in eine ebenfalls nicht besonders große Seitenstrasse wenden. Hat aber geklappt. Rechts über den Bürger steig und den gesamten Überhang des Busses vorne durch Nachbars Vorgarten. Ohne Berührung versteht sich. „Wenn Sie das schaffen geb ich Ihnen nen Schnaps aus“ krähte die Verantwortliche von hinten, ich glaub ich hätte ihn mir auch verdient gehabt. Hab dann aber doch abgelehnt. 😉

Die Wegbeschreibung hat dann schonmal geholfen, irgendwann hab ich dann doch Anne zu Hause angerufen, ihr beschrieben wo ich stehe und wo ich hinwill – und wo ich nicht mehr herfahren will. Darauf hin hat sie mir mit Google Maps live am Telefon den Weg erklärt, hier ging es leider nicht anderes als mit Handy am Ohr Bus zufahren. Blöd, aber was hätte ich machen sollen?

Memo an mich: das nächste Mal geht zumindest der Kopfhörer mit.

Direkt an dem Restaurant gab es einen Parkplatz, der war zwar eng aber leer, mit 3 Zügen hatte ich den Bus dort gewendet – und ein wenig Kies aufgetürmt 😉

Und als wenn ich es geahnt hätte, hat mich keiner gefragt ob ich mitkommen möchte, sowas hatte ich mir aber auch schon gedacht. Die Gruppe war irgendwie nicht geschlossen, ich kann das nicht genau erklären. Ich habe die Zeit dann auch lieber genutzt, mich in der Bus-eigenen Schlafkabine für eine Stunde mit der mitgebrachten Wolldecke hinzulegen, allerdings wurde es ziemlich schnell sehr kalt, von daher war nicht viel mit Schlafen. Also bin ich durch den Bus, habe ein wenig aufgeräumt und die Standheizung schonmal wieder angeschmissen. Um halb 10 wollten die Leute nach Hause, also bin ich um kurz vor 9 dann doch noch rein und habe vorne nach einem Kaffee gefragt, den ich postwendend bekommen habe.

Gerade wo der Kaffee vor mir steht, klingelt das Handy „Wir möchten jetzt nach Hause und stehen schon vor dem Bus“. Na super. Schnell raus, Bus aufgeschlossen, Heizung wieder an und schnell zurück, den Kaffee runterstürzen so schnell es geht. Als die Bewirtung mitbekommen hat, dass ich der Busfahrer bin, habt der Kaffee auch nichts mehr gekostet, sehr nett. Ich hätte ihn aber auch bezahlt.

Der Rückweg war dann problemlos, ich habe mir den Weg vorher auf dem Navi genau angeschaut und für gut fahrbar befunden. Meine Schluss-Ansage konnte ich mir bis zum Aachener Kreuz gut überlegen und die lief dann in der Tat auch viel besser – quittiert von einem netten Applaus und einem persönlichen Dank einer Frau, dass sie sich bei mir sehr sicher gefühlt hat. Das geht doch nach so einem Tag runter wie Öl :)

Zwei Fahrgäste wollten noch in der Stadt rausgelassen werden, das habe ich ebenfalls in meiner kleinen Rede angeboten, um halb 12 war ich dann am Wohnmobil, die Getränke wieder ausladen und um kurz vor 12 am Bushof. Schlüssel abgeben, Feierabend.

Puh….

Fazit: Super! Der Bus fährt einfach nur genial, kein Vergleich zu allem was ich bisher gefahren habe. Warum allerdings der Stern vorne dran verdreht ist, weiss ich nicht wirklich… 😉
Und ich hoffe der nächste Auftrag läßt nicht so lange auf sich warten!
Achja, beim Ausladen hab ich dann doch noch einen Becher mit 12 EUR für Getränke gefunden, und genau das fehlte auch bzw. fand sich an leeren Dosen und Flaschen wieder. Aber nur Cola und Wasser.

Ein paar Bilder:

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Getränkevorrat und Kaffeebar

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Getränke, und Kühlschrank voll

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Handycam-Experimente.

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Wieder zu Hause

10 Antworten zu “Büroausflug nach Hamm”
  1. zurken sagt:

    „Was leider völlig in die Hose gegangen ist, war meine Ansage.“

    haben sie mit faulen Tomaten geschmissen? :-)

    hast du ja mal was Künstlerisches mit der Handy-Cam hingekriegt, dachte zuerst, das sei beim Fahren aufgenommen worden….

    Kann man so einem Navi nicht sagen: Ich bin ein 12 Meter langer Bus, bitte nicht so enge Straßen…..?

  2. Martin sagt:

    Son Navi gibts, das kostet aber locker ein halbes Taxifahrermonatsgehalt 😉

  3. zurken sagt:

    aha, wieviel ist ein halbes Taxifahrermonatsgehalt?

  4. ohja, mir bitte ein Navi mit Brückenhöhen- und Sackgassenansage
    :)

    schön dass die Tour so gut geklappt hat und die Fahrgäste zufrieden waren, ein ganz guter Anfang bei dem neuen Unternehmen

  5. Strati sagt:

    Nehm doch so ne Ansage als MP3 auf und spiel die immer ab, kannst ja noch so lustige Features mit einbauen… Rettungsdecken, Schwimmwesten, Notrutschen…

  6. Martin sagt:

    Jaaaa klar!
    Und dann stelle ich mich dahin und beweg die Lippen dazu! So wie in den aus dem amerikanischen synchronisierten Verkaufsssendungen 😀

  7. zurken sagt:

    Nee, du machst es wie die Stewardessen im Flieger, legst dabei die Schwimmweste an, die Sauerstoffmaske usw. Dann bleibt denen der Mund offen, weil sie nicht wissen, ob das ernst ist oder nicht…

  8. Uwe sagt:

    Das mit den Schwimmwesten im Bus wäre sicher mal ein Gag – aber dafür sollten auch die richtigen Passagiere drin sein.

    Und mit Navi, da hab ich mit dem Lkw auch schon so meinen Spaß gehabt….

  9. zurken sagt:

    Bisse inner Sackgasse gelandet?

    Und immer noch weiß ich nicht, wie viel ein halbes Taxifahrermonatsgehalt ist – Manno!

  10. Taxifahrer sagt:

    Bei mir wären das ca. 500 EUR…

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