Bevor es heute Abend ins lange Wochenende geht (dieser Eintrag ist ein Nachtrag zum gestrigen Donnerstag) habe ich noch eine besonderen Auftrag bekommen: ein Ausflug zum Landtag nach Düsseldorf.

Das verspricht sehr spannend zu werden, zumal heute auch Plenum ist, und im Plenarsaal dementsprechend einige Tagesordnungspunkte von den Abgeordneten behandelt werden. Ausserdem ist der Landtag ein beeindruckendes Gebäude, vor allem wenn man sich vor Augen führt, dass hier die Fäden der Landesregierung zusammenlaufen.

Mindestens genauso beeindruckend fand ich allerdings, dass meine Fahrgäste alle insgesamt Senioren waren. Und Studenten.

Hä?

Ja richtig, es handelte sich um eine Gruppe studierender Senioren. Sie besuchen spezielle Vorlesungen die von Professoren ehrenamtlich gehalten werden, und sind als normale Gasthörer eingeschrieben. Und das alles tun diese Herrschaften, um ihren Horizont zu erweitern und nicht einzurosten.

Wie gesagt, ich bin tief beeindruckt!

Nachdem ich meine Fahrgäste direkt vor der Eingangstür herausgelassen habe, musste ich den Bus parken. Beim Pförtner bekam ich einen Zettel mit einer Wegbeschreibung zu zwei Busparkplätzen. Am Einfachsten ist hier der Apollo Parkplatz unter der Rheinkniebrücke, hier sind auch Busparkplätze eingerichtet. Um dort hinzukommen, muss man nur wieder vom Landtag rausfahren, den Tunnel kreuzen und der Strasse um die Kurve folgen.

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Parkplatzanweisung vom Pförtner

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Man findet eine für Busse etwas enge Einfahrt vor, und ausserdem muss man sich ziemlich tief aus dem Fenster hängen, um an den Ticketknopf zu kommen. Der Fussweg ist von hier aus sehr kurz, nur eben über die Kreuzung laufen und nach 50m steht man wieder vor dem Landtagsgebäude. Das Ticket kann man sich am Empfang des Landtages entwerten lassen, so dass das Parken für Busse kostenlos ist.

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Eingangsbereich. Taxen und die Chauffeure der Abgeordneten dürfen hier vorfahren

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Einführungsveranstaltung für meine Gruppe

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Hannes darf auch mal ans Rednerpult und ins Micro blöken

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Im Plenarsaal darf man nicht fotografieren, wir schauen uns schonmal vorher an wie es da aussieht.

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Und wie soll es anders sein, hat Hannes schon das Bistro im Erdgeschoss erspäht. Mal schaun, vielleicht trinken wir da nachher noch einen Kaffee :)

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Der Eingang zum Plenarsaal ist im 3. Stock, die Besuchergruppen fahren allerdings mit diesem schicken und überhaupt nicht belüfteten Aufzug in die 5. Etage, wo der Eingang zur Besuchertribüne ist.

Dort sind wir dann auch hoch gebracht worden und haben auf der Tribüne für eine halbe Stunde Platz genommen. Was nun folgte war beispiellos.

Der Abgeordnete Wegemann, CDU, lieferte sich ein Wortgefecht mit Herrn Groth von den Grünen. Das Ganze lief, beginnend mit Herrn Groth, wie folgt ab (stark eingekürzt, das zog sich über 20 Minuten hin):

„Lassen Sie mich vorab bitte sagen: wegen Ihrer gestrigen Äußerung sollten Sie sich gefälligst bei Frau Beer entschuldigen“
„Ach hören Sie doch auf, was mischen Sie sich denn da ein? Ich werde mich nicht entschuldigen!“
„Und nehmen Sie am besten gleich einen dicken Blumenstrauss mit!“
„So ein Quatsch, ich hatte damit recht, ich werde mich doch von einem Kölner nicht belehren lassen!“

Großes Lachen im Saal und raunen auf der Tribüne, Beifallsbekundungen und Ablehnungsverhalten sind den Besuchern allerdings streng untersagt. Dass Herr Groth eigentlich aus Bochum kommt, verwirrt mich etwas, vielleicht zog sich der Spruch mit dem Kölner auf jemand anderen.

Wie auch immer. Unsere Gruppenleiterin, die hier mal 5 Jahre für eine Abgeordnete gearbeitet hatte, erzählte mir hinterher, dass das eine Schande gewesen sein, sowas hätte sie in Ihrer ganzen Zeit hier nicht erlebt.

Naja, das beruhigt mich zumindest etwas, das ganze mutete ziemlich nach Kindergarten an, das eigentliche Thema ist zumindest in der Zeit in der wir da waren, zum großen Teil untergegangen. Wenn das jeden Tag so laufen würde, hätte ich ernsthafte Bedenken an der Glaubwürdigkeit unserer Abgeordneten.

Dann war dieser Punkt der Tagesordnung beendet, und wir verliessen die Tribüne wieder. Schade dass wir nicht ehr da waren, der Punkt vorher hätte mich sehr interessiert. Es ging um die Erweiterung des Internet-Adressraums um regionale Toplevel Domains. Was immer da auch diskutiert wurde, das ist bisher völlig an mir vorbei gegangen, das muss ich später nochmal unbedingt nachlesen.

Im Anschluss gab es für meine Gruppe eine Diskussionsrunde mit einem weiteren Abgeordneten, ich habe daran aber nicht teilgenommen und mir statt dessen im Bistro den besagten Kaffee gegönnt. Etwa eine Stunde später kam die Gruppe aus der Diskussion zurück, und ich habe mir sagen lassen, dass meine rüstigen Rentner den Abgeordneten ganz schön in die Enge getrieben haben.

Respekt! :)

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Zum Abschluss gab es noch Kaffee und Kuchen auf Landeskosten, und wir haben einen grandiosen Ausblick über den Rhein genossen. Hannes hat die ganze Zeit rausgeschaut, und auch als wir gehen wollten starrte er immer noch nach draussen. Ich folgte seinem Blick und habe schnell erkannt, was er da angestarrt hat:

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Eine Schafherde auf der anderen Rheinseite, Hannes hat offenbar Sehnsucht nach seinen Artgenossen. Vielleicht schafft es bald mal jemand, ihm diesen Kontakt zu ermöglichen :)

Damit war dann auch der heutige Ausflug beendet, ich habe den Bus geholt und meine Gruppe wieder eingesammelt, eine Stunde später waren wir in Aachen.

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Hannes fand das Mikro im Landtag toll und durfte deshalb zum Abschied nochmal ausführlich ins Bus-Mikrofon blöken.

Eine weitere halbe Stunde später waren Hannes und ich auf dem Weg ins Lange Wochenende. :)

3 Antworten zu “Hannes‘ letzte Bustour zum NRW-Landtag nach Düsseldorf”
  1. […] das volle Programm abgekriegt hat und sowohl den Lindt-Werksverkauf leergefressen sowie den Landtag besucht hatte, finden wir ihn grad in einem Paralleluniversum Parallelblog von Martin wieder, wo er […]

  2. also bei dir ist das Schaaf ja voll ausgelastet, der hofft wahrscheinlich auf einen weiten Weg zur nächsten Station dass er sich mal vernünftig ausschlafen kann …
    :)

    (ich habe übrigens ernsthafte Bedenken an der Glaubwürdigkeit unserer Abgeordneten)

  3. Nadine sagt:

    Schon wieder im schönen D-Town? Wie man sieht hattet ihr ja viel Spaß und den Landtag hat noch lang nicht jeder von innen gesehen.

  4.