Im Moment geht beim Busunternehmen wieder die Post ab. September und Oktober ist Hochsaison, viele Kurzurlaube, viele Clubs und sonstige Grüppchen absolvieren ihre Jahresausflüge in dieser Zeit, und an Mosel und Rhein jagt ein Weinfest das Andere.

Letzte Woche spricht mein Chef mich an, ob ich am Montag nach Boppard fahren kann, mit einem 9-Sitzer Sprinter eine kleine Gruppe abholen. Die Gruppe ist am Freitag hingebracht worden, und die Tour hätte ich letztes Jahr doch auch gefahren.

Was? Das weiss der noch? Ui!

Zur Erklärung: es gibt hier ca. 100 kleinere und 10-15 größere Busse, und jeden Tag sind Fahrer zu verschiedensten Zielen unterwegs. Klar sind viele Behinderten- und Schultouren dabei, aber übrig bleiben immer noch immens viel. Von daher war ich echt erstaunt, aber es gibt so Menschen, die können sich sowas einfach merken.

Also bin ich nach Boppard, und habe dort noch eine knappe Stunde den Ort erkundet, einen Kaffee im Hotel geschnorrt und mich dann zur vereinbarten Zeit am Bus eingefunden.

Kurz darauf kam eine Dame um die Ecke, die ich auch wieder erkannte. „Ach, da ist ja der Martin!“. Nach und nach kamen die Fahrgäste zum Bus und alle erinnerten sich an mich. Gut, wenn man nur einmal im Jahr fährt, kann das wohl sein.

„Ja, ist doch kein Wunder, wir hatten Sie extra bestellt!“ hörte ich kurze Zeit später von einer der Damen „Wir waren doch so zufrieden mit Ihnen und hatten vorher soviel Pech!“

Das hatten sie allerdings, nach dem vorletzten Urlaub hatte der Fahrer eines anderen Unternehmens, der sich offenbar schon im hohen Rentenalter befand, es geschafft, dass die Frauen gesammelt unter Tränen aus dem Bus gestiegen sind. Unfassbar sowas. Von waghalsigen Wendemanövern und beinahe-Auffahren auf die Autobahn in Geisterfahrer-Richtung war da die Rede, vom weiteren Fahrstil ganz zu schweigen…

Also haben sie darauf bestanden dass ich sie fahre, nur war ich bei er Hinfahrt noch im Urlaub. Aber die Rückfahrt hat geklappt, und bei der Pause auf dem Rasthof wurde ich von der Organisatorin herangerufen, und sie übergab mir einen Umschlag mit einer Karte, die ich sofort öffnen sollte und dieses mit großen Augen auch sofort getan habe.

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Aufgeklappt ein Zettel mit einem Dankspruch und allen Namen, sowie eine kleine Anerkennung. Da war ich aber platt…

Die Fahrt war sonst unspektakulär, aber es hat wieder mal viel Spass gemacht. Kleinbusse haben doch wirklich die Eigenschaft, viel näher beim Gast zu sein, man ist quasi mittendrin.

Und ich sollte meinen Chef vielleicht nicht derart überschätzen 😉

3 Antworten zu “Gutes Gedächtnis”
  1. Armin sagt:

    na so macht die Arbeit doch Spaß! 😉

  2. Kätzchen sagt:

    Anne kann fliegen? – Cool, wußte ich gar nicht *g

  3. Michael sagt:

    Eine schöne Geste und ein großes Kompliment, das finde ich toll. Mit dir kann man also angstfrei mitfahren *g*.

  4.