Weil das Leben nunmal kein Ponyhof ist, und ich vor allem auch diese Erfahrung mal machen möchte, habe ich mir letztens mal eine Schul-Tour zusammenstellen lassen. Oder sagen wir mal, ich wurde gefragt, weil gerade massiver Mitarbeiter-Mangel herrschte und ich „das schon hinkriegen würde“, ich soll mir keine Sorgen machen, der Disponent scheibt mir alles auf.

Also ging es los, um halb 7 war ich beim Disponenten und wollte mir die Tour erklären lassen.

Man kann sich denken, dass zu dieser Zeit dort der Teufel los ist, aber er hat mir versprochen, dass er sich Zeit für mich nehmen würde. Dass das nichts werden konnte war mir vorher schon klar, und so kam es dann auch. Immerhin hatte er aber am Vortag schon alles aufgeschrieben was seiner Auffassung nach wichtig war, und nach einer halben Stunde Erklärungsversuche bin ich dann mal zum Bus.

Mal was ganz anderes, ein moderner Linienbus, mit Automatik, übersichtlichen Spiegeln und Rundumsicht vom Fahrerplatz aus. Und einem derart bequemen Vollschalensitz von dem man im (nicht ganz so) modernen Reisebus nur von Träumen kann!

Im Bus wurde mir noch die Schilder eingestellt, für eine Erklärung des Systems war keine Zeit. War auch egal, ich fuhr ja keine Linie, also einstellen und los. Wenn was ist soll ich den Disponenten jederzeit anrufen.

Die erste Tour war einfach. An einer mir bekannten Bushaltestelle soll ich eine Fahrbegleitung einsammeln, der Mann kennt den Weg. So war es dann auch: „Biegen Sie hier links ab, dort rechts, und da hinten an der Bushaltestelle stehen 3 Leute, die sammeln wir ein.“ Soweit so gut. Der Mann ist an der Ziel-Schule mit ausgestiegen, und genau dort begann eine halbe Stunde später auch meine nächste Fahrt, also einfach nur warten.

In der Zwischenzeit habe ich mir meine weiteren Ziele angeschaut. Schwimmhalle Ost, Heinrich-Heine Gesamtschule, Schwimmhalle West, und so weiter. Fast alles waren Transferfahrten, Schüler hier abholen, dort hinbringen, die nächsten woanders abholen und dorthinaus bringen. Alles ziemlich anonym aber auch pflegeleicht.

Für den Mittag habe ich aber schwarz gesehen. Ich bekam einen Haltestellenplan von Würselen und sollte Kinder an einer Schule aufsammeln und an bestimmten Haltestellen der Reihe nach rauslassen. Ohje!

Erstens kenne ich mich in Würselen überhaupt nicht aus, zweitens weiss ich schon garnicht wo die Haltestellen sind und habe mich deshalb drittens schon mit der Karte auf dem Lenkrad durch die Stadt eiern sehn. Geht garnicht! Das habe ich dem Disponenten morgens dann auch direkt so gesagt, er meinte aber „das geht schon, fragen sie einfach einen Schüler, die kennen den Weg“.

Äh, wie bitte?

Nagut, ich bin dann erstmal gefahren, habe unterwegs aber noch einen Kollegen getroffen, der meinten auch ich solle das mal lieber lassen. Die Möglichkeit dass da was schief gehen könnte ist doch recht hoch. Und es wäre auch schon vorgekommen, dass einem die Schüler den falschen Weg zeigen und sich bis direkt vor die Haustür fahren lassen. Das ist bestimmt lustig, aber nicht für den Busfahrer…

Ich habe noch eine Weile drüber nachgedacht und dann mit dem Disponenten in einer auch für ihn wesentlich ruhigeren Minuten mal telefoniert, und ihn eindringlich gebeten, mir Mittags einen Tausch anzubieten. Ich wusste das gegen Mittag einige Reisebusfahrten anstanden, ein Fahrer für so eine Tour soll daher bitte zu passender Gelegenheit mit mir tauschen und mich ablösen.

Das hat gewirkt, ich durfte den Bus passend übergeben und war raus aus der Nummer. Für den Rest des Tages durfte ich wieder Tourismo fahren :)

Mit dem Linienbus kam ich übrigens ziemlich schnell klar, fährt sich eigentlich recht angenehm. Ein paar Mal bin ich beim Abbiegen hinten rechts aber doch ziemlich nahe an den Bordstein gekommen, irgendwie war es dann doch was anderes als ein Reisebus. Ausserdem gibts da auch so einige elektronische Spielereien die ganz gerne mal nicht funktionieren können.

Was soll man zum Beispiel tun, wenn die Tür hinten schliesst, aber sofort von alleine wieder aufgeht? Tür zu, Tür geht wieder auf. Geschaut dass keiner im Weg steht nochmal versucht: Tür zu, Tür geht wieder auf. Disponent anrufen: „Das ist normal. Motor aus, Zündung aus, ein paar Sekunden warten, alles wieder einschalten und die Tür geht wieder“. Hm, naja wenn er das sagt… Ging dann auch, aber ob das so „normal“ ist? Ich weiss nicht.

Fazit: Hat schon Spass gemacht und ich werde demnächst mal einige Touren als Begleitung fahren, damit ich sie kennen lerne.

Das hat auch was, vor allem darf ich dann auch bestimmt mal Gelenkbus fahren 😀

10 Antworten zu “Schul-(Tor-)Tour”
  1. Jens sagt:

    …und wie waren die Kinder ? Ruhig / laut ?? Irgendein Klassen-Streber hätte dich sicherlich gut zu den Bushaltestellen geführt…

  2. Ingo sagt:

    Wenn es doch feste Touren gibt, um die Schüler einzusammeln bzw. nach Hause zu bringen, warum gibt es dann kein Navi in der Firma, wo diese festen Touren einprogrammiert sind?

  3. Kätzchen sagt:

    Die Schüler kennen den Weg…wie bitte? Ich hätte als Schüler auch eiskalt das gemacht was du gesagt hast…mich nach Hause fahren lassen. Wie unprofessionell ist das denn? 😎

  4. Martin sagt:

    Tja, was erfindet der Disponent nicht alles aus der Not heraus…
    Aus seiner Sicht kann ich es verstehen. Aber im Sinne des Unternehmens ist das bestimmt nicht!

  5. bernd sagt:

    Sind Linienbus und Reisebus von den Abmessungen/Radstand usw sehr verschieden? Bisher dachte ich die waeren mehr oder weniger gleich, die Reisebusse sehen nur viel groesser aus da sie hoeher sind.

  6. Martin sagt:

    Hm eigentlich ist da auch kein großer Unterschied. Vielleicht war es dann doch die andere Fahrersitzposition…?

  7. im Reisebus sitzt du doch wesentlich höher, oder?

    Tür zu, Tür auf finde ich ja lustig.
    wie bei einem beliebigen Elektrogerät: ausmachen, anmachen, geht wieder.

    :)

  8. Martin sagt:

    Das mit dem Zündung aus – Zündung an hat mich mehr an einen Neustart bei Windows erinnert 😀

  9. Sven sagt:

    Alleine schon die Spiegelposition und-wölbung macht eine Menge aus, wenn es um subjektive Wahrnehmung der zu bewegenden Abmaße geht. Die Sitzposition natürlich auch.

    Reizen würde mich die Tätigkeit eines Busfahrers ja auch mal, wenn da nicht die fehlende Klasse DE einen Strich machen würde.

    Auch fand ich es bisher recht entspannend, dass die „Ladung“ nicht schreien kann. :-)

  10. Kirstin sagt:

    Hi Martin,

    das Türchenspiel hatten wir bei der BVG in Berlin auch oft. Die Fahrer haben dann schon routiniert das getan was der Disponent dir geraten hatte. Denke ma das is dann vielerorts so üblich das Problem. Liegt wohl an der Hydraulik oder sowas…

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