Es ist 2 Uhr, ich bin vor einer Stunde aufgestanden und mache mich jetzt auf den Weg zum Betriebshof. Die Stadt ist friedlich und die Straßen weiß, der Winter nimmt scheinbar kein Ende. Ich habe Glück, irgendwer ist schon auf dem Betriebshof und ich muss nicht extra aussteigen um das Tor zu öffnen. Ich parke und gehe in den Fahrerraum, um meine Papiere und den Fahrzeugschlüssel zu holen. Der Kollege mit welchem ich fahre ist noch nicht da, wir sind aber auch erst in 10 Minuten verabredet.

Es sind noch 2 Minuten  bis zur Abfahrt und ich bin immer noch allein – mal sehen wo der Kollege steckt. Dem Handy sei Dank ist nun auch geklärt, dass er verschlafen hat und ich mache mich erstmal allein auf den Weg und werde ihn auf dem Weg zum Kunden einsammeln. Das ist zum Glück kein Umweg und somit kein Problem. Beim Kunden geht es dann super zügig, Getränke einladen, alle Fahrgäste in den Bus und ab auf die Bahn. Die Autobahn ist ebenfalls nicht geräumt und über weite Strecken sind auch keine Fahrbahnmarkierungen zu erkennen. Da morgens um 4 Uhr nicht viel Verkehr ist, stört mich das nicht weiter und so nutze ich einfach den mir zur Verfügung stehenden Platz wie es mir gerade am sinnvollsten erscheint. Die Fahrbahn ist nicht spiegelglatt, aber mit Sicherheit rutschig. Überprüfen möchte ich das auf der Autobahn allerdings nicht und da nichts los ist rollen wir trotzdem mit 90-100 kmh durch die Nacht. Nach 2 Stunden müssen wir unseren Fahrgästen so langsam eine Pause gönnen, normalerweise ist mit dem Kunden alle 1,5 Stunden vereinbart, aber nachts kann man das auch schonmal strecken:) – zumal dank DVD für Unterhaltung gesorgt war.

Unser Gefährt heute

Für mich ist jetzt die erste Schicht rum, der Kollege darf sich für die nächsten 1,5 bis 2 Stunden hinterm Steuer austoben. Wir haben jetzt 6:10 Uhr und ich kann einfach nicht schlafen, da das einigen Fahrgästen im Unterdeck genauso geht, geselle ich mich dazu, man kennt sich schließlich von vielen gemeinsam Fahrten. Die Zeit vergeht zügig und schwups sitze ich schon wieder hinter dem Steuer. Mittlerweile sind die Straßen frei, andere Autobahnmeistereien haben ihre Arbeit scheinbar besser gemacht. Alles drumherum ist weiß und der Kollege und ich sind uns einig, dass man genauso gut auch auf dem Weg in den Winterurlaub sein könnte. Bei freien Straßen und wenig Verkehr macht es jetzt auch richtig Spaß. Wir liegen bombig in der Zeit und machen deshalb nach nur einer Stunde Fahrtzeit noch eine Pause. Nach 30 Minuten geht’s weiter und ich fahre auch noch den Rest bis zur Impuls Arena im Augsburger Süden.

Stadion vom Busparkplatz aus

Fans vor dem Stadion

Bus geparkt und ab ins Stadion, trotz Eiseskälte bin ich fest entschlossen mir das Zweitligaspiel Fortuna Düsseldorf gegen den FC Augsburg anzusehen. Das Spiel hat noch nicht mal angefangen und mir ist schon saukalt. Meine Füsse sind eigentlich gar nicht mehr da.

Stadion

Nach 35 Minuten verlasse ich das Stadion, mir ist kalt und ich möchte noch etwas schlafen. Im Bus ist es kuschlig warm und ich mache mich an einer der 4er-Sitzgruppen breit – der Kollege hat die Andere in Beschlag genommen. Aus meinen Kopfhörern plätschert Musik und es dauert nicht lange bis ich wegdöse. Nach ca. 30 Minuten werde ich durch irgendein Geräusch geweckt und kann nicht mehr einschlafen. Ist aber ok, 30 Minuten sind oft schon wie ne kleine Kur. Ich stöbere noch etwas in der Bedienungsanleitung das Busses und bald ist das Spiel zu Ende und die von der Niederlage nicht gerade begeisterten Fans sind mehr als froh in den warmen Bus zu können. Auf der Rückfahrt fängt der Kollege an und ich hab im Prinzip nur die mittleren 2 Stunden zu fahren. Unser Ziel ist 3 x 2 Stunden zu fahren mit jeweils 20-30 Minuten Pause. Das klappt auch super. Die Fans sind Müde vom langen Tag, wollen es nur noch warm haben und fragen gar nicht nach Pausen. Mehr als gut in der Zeit sind wir, als wir um 22:45 in Düsseldorf ankommen. Die ganze Tour war etwas knapp, da wir zu zweit 21 Stunden unterwegs sein dürfen und die wären um 23:55 Uhr rum gewesen und die Stunde hat man schnell mal verloren. So gehts dann noch ganz entspannt zum Betriebshof und nach über 24 Stunden wieder ins Bett.

Der Tag in Zahlen: 1.153 Kilometer mit 2 Fahrern,  7:22 Stunden Lenkzeit für mich und 21:43 Stunden Arbeitszeit = Düsseldorf, Augsburg, Düsseldorf.

6 Antworten zu “Augsburg”
  1. Martin sagt:

    Was für ne Tour…
    Sowas hab ich bisher nur mit der Badewanne gefahren, nicht besonders toll, da gings nach von Aachen nach Hannover zur IAA. Und am Schluss musste ich das Steuer echt abgeben weil ich nicht mehr konnte. Dabei waren wir erst um 4 gestartet
    :(

  2. Marco sagt:

    Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Wenn ich schon mal längere Strecken gefahren bin (mit dem PKW, 4 Stunden hin, mit maximal 1 zehnmitügen Pause, dann 1 Stunde vor Ort und wieder 4 Stunden zurück), war ich immer platt.
    Respekt vor der Leistung!

  3. Nadine sagt:

    Naja, kaputt ist man nach so einem Tag schon, aber wenn man sich selbst einschätzen kann geht das gut. Zumal man sich ja abwechselt.

  4. Alexander sagt:

    Kalt im Stadion nach nur 35 Minuten? Ohje, was soll ich da sagen. Ich bin bei einem Zweitligisten (nächste Saison hoffentlich wieder ganz oben) regelmäßig als Sanitäter im Stadion. Spätestens eine Viertelstunde vor Spielbeginn auf Position im Innenraum, bis mindestens eine Viertelstunde nach Spielende. Macht incl. Halbzeitpause rund 2 1/2 Stunden in der Kälte. *bibber*

  5. Nadine sagt:

    Für dich ist nach den 2,5 Stunden aber auch der Arbeitstag beedendet. Für mich standen noch 8 Stunden auf dem Plan und da sollte man schon darauf achten fit zu sein.

  6. Alexander sagt:

    Na ja, mit den 2,5 h ist’s nicht getan. Sicher, so lang wie Du arbeite ich da sicher nicht, aber mit Vorbereitung (geht etwa vier Stunden vor Spielbeginn los) und Nachbereitung (bis etwa zwei Stunden nach Spielende – wenn Problemfans da sind auch mehr) kommt da schon ’ne gute Acht-Stunden-Schicht zusammen – in meiner Freizeit, und wenn das Spiel Montags oder Freitags stattfindet (was ja leider in der 2. BuLi häufig vorkommt), dann auch durchaus mal nach einem ganz normalen Arbeitstag in meinem Job (denn der San-Dienst ist ja „nur“ ein Ehrenamt).

  7.