„Hans von Aachen“, so heisst ein wieder entdeckter Künstler mit Aachener Wurzeln, und eben zu diesem bzw. zu seinen Werken wurde letzte Woche eine Ausstellung eröffnet. Der Andrang war groß, über 700 Menschen wurden im Aachener Rathaus empfangen und sollten mit insgesamt 5 Bussen im Pendelverkehr zur Vernissage im Suermondt-Ludwig Museum gebracht werden.

Ich durfte den einzigen Kleinbus des Unternehmens fahren, einen Mercedes Vario O614, der zugegebenermaßen kaum Durchzug hat. Das verstehe ich kaum, denn eigentlich sollte der schon etwas vorwärts gehen, hier tut sich aber echt nicht viel. Vielleicht hat man den Lader schon kaputt bekommen?

Besonders gepflegt wird der Bus jedenfalls nicht, auch musste ich erst einmal durch die Waschanlage fahren, denn mein Job heute Abend ist offenbar ein ganz besonderer…

Ich soll nämlich um 18 Uhr nicht an einer vereinbarten Bushaltestelle halten um Fahrgäste aufzunehmen, sondern mich so nahe es irgendwie geht vors Rathaus begeben um dort so genannte „Double VIPs“ aufzunehmen. Diese müssen dann zum Museum gebracht werden, um 20 Uhr wieder zurück und ich soll dann bis 21 Uhr zur freien Verfügung vor Ort bleiben.

Die Stadt hat mir und den anderen Fahrern dafür einen Organisator an die Seite gestellt, und sollte man meinem Disponenten glauben, so könnte es durchaus sein, dass ich den Aachener Oberbürgermeister nebst Gefolge sowie weitere hohe Tiere aus Politik und Kultur chauffiere.

OK, das wären wirklich Double VIPs!

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Und so ist es auch kein Wunder, dass das Ordnungsamt überhaupt nichts dagegen hat, dass ich mitten auf dem Marktplatz vor dem Rathaus parke und dort auf meine Gäste warte.

Kurz darauf war mein Organisator bei mir und hat mich begrüßt, noch etwas später kam ein Benz auf den Platz gefahren, mein Organisator meinte „Ah, der OB-Chauffeur“.

Achje. Na, logisch hat der einen eigenen Chauffeur, wie konnte ich darauf kommen dass der mit mir im Bus mitfährt? Da fällt meine Nervosität erstmal rapide ab. Ich hatte mich allerdings als politisch völlig desinteressiert erstmal über den Mann informiert, und musste mit erstaunen feststellen, dass er jünger ist als ich. Und gelernter Maler und Lackierer, na sowas. Also doch auch einfach nur ein normaler Mensch… :)

Aber gut, dann bin ich aber trotzdem auf die Fahrgäste gespannt. Ich bin kurz mit ins Rathaus hoch gegangen und habe dort erfahren, dass es sich bei den Double VIPs in der Tat mehr um Menschen handelt, die wichtig genommen werden wollen, das ändert die Sichtweise auf die ganze Sache nochmal etwas ab.

Kurz darauf war die Eröffnung zu Ende und die Fahrgäste wurden zum Bus geleitet. Dann eine Fahrt zum 2km entfernten Museum, und die Sache war erstmal zu Ende.

Da wir in der Nähe wohnen konnte ich den Bus nähe unserer Wohnung parken und bin zum Abendessen nach Hause gegangen, kurze Zeit später kam aber ein Anruf des Organisators, um 19:30 Uhr sollen die anderen Busse und ich wieder am Museum sein um die Leute zurück zu fahren, der Plan habe sich geändert.

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Und da standen wir dann. In zweiter Reihe, auf dem Radweg, und nichts passierte. Um 20:15 kamen dann die ersten Fahrgäste und stiegen in den ersten Bus, bis ich dran war, war der erste Bus schon wieder zurück. Suuuuper…

Aber gut, was will man erwarten, 5 Gäste fangen an zu quengeln und wollen weggebracht werden, der Organisator bekommt kalte Füsse und ruft die Busse, und während diese anfahren machen sich die 5 schon zu Fuss auf den Weg. Und so steht man dann da rum, wem soll man da einen Vorwurf machen.

Zwei Fahrten später war der Abend für mich vorbei, meine Verfügung endete schon um kurz vor 9, und so kam ich zumindest einigermaßen früh ins Bett. Denn meine Nächte enden ja derzeit immer zum kurz nach 5, um wieder Behinderte einzusammeln…

Alles in allem ein nicht ganz so befriedigender Abend, aber immerhin weiss ich nun was Double VIPs sind.

😀

3 Antworten zu “Double VIPs”
  1. Jens sagt:

    …auch nur ganz normale Menschen!

  2. Mike sagt:

    Ich persönlich hasse solche Aufträge, 5 oder 6 Stunden rumstehen und dann nur 15 Kilometer fahren!!

  3. Nadine sagt:

    Ich verstehe nie, warum man nicht zuerst einen kleinen Bus füllt. Meistens kommen zu Beginn des Transfers 10-15 Personen und das war’s dann erst mal. Da stelle ich ein kleineres Auto hin und nach 10 Minuten ist Abfahrt und alles ist gut. Aber meistens steht da ein großer Bus zuerst und dann sitzen 15 Personen 30 Minuten rum und warten, dass der Bus voll wird.

  4.