Letztens hatte ich mal die Gelegenheit, innerhalb einer Woche je eine im Schnitt 15-köpfige Klasse, vorwiegend bestehend aus Mädchen im Alter zwischen 15 und 17, vom Flughafen abzuholen oder wegbzubringen.

Die türkischen Mädchen kamen mit drei Lehren/Herren als Begleitung. Ich kann nur vermuten, dass Frauen in der Türkei diese Aufgabe nicht zugeteilt wird, anders kann ich mir nicht erklären, dass einer Gruppe Mädchen mit drei Männern reist. Sie haben Gastfamilien im Rahmen eines dreiländer-Austauschprojektes besucht. Problem war wohl hier, dass sie kein englisch sprechen.

Die deutschen Mädchen habe ich zu einem mehrtägigen Ausflug gefahren, die englischen Mädchen kamen ebenfalls zu einem Schüleraustausch nach Deutschland.

Es gibt aus Sicht des Busfahrers bemerkenswerte Unterschiede, die ich hier mal kurz skizzieren möchte:

Die deutschen verhalten sich so wie man es kennt. Chaos vorm Bus, jeder will schnell hinein und seinen Koffer loswerden, der Busfahrer sitzt im Kofferraum, und völlig unkoordiniert werden Koffer und Taschen angegeben, in den offenen Kofferraum gelegt oder direkt davor gestellt. Dann gehts in den Bus, man verteilt sich locker, aber vorzugsweise weit weg von den ersten Reihen, denn da sitzen ja die Lehrer.

Wie uncool.

Eine echte Überraschung waren die türkischen Mädchen. Angekommen am Flughafen wurde ich von den Betreuern auf englisch begrüßt, die Mädchen waren ruhig und haben genau aufgepasst was man ihnen sagte, wir gingen gemeinsam zum Bus, und ausnahmslos jedes Mädchen hat mir seinen Koffer oder Tasche in die Hand gegeben, während ich diese, im Kofferraum sitzend, bremssicher verstaute. Teilweise haben Sie sich sogar mit einem gebrochenen „Danke“ oder „Dankeschön“ bei mir bedankt.

Im Bus haben sie sich vorne beginnend locker hingesetzt. Wo Platz nicht von den Betreuern belegt waren, wurden die ersten Bänke belegt, kurz vor der Busmitte und somit hinter den Mädchen saß der leitende Betreuer und hat seine Unterlagen studiert. Schon vor der Losfahrt wurde mir von einem Mädchen sehr höflich ein Karamelbonbon angeboten. Und nebenbei bemerkt: keines der Mädchen hat ein Kopftuch getragen. Das war aber keine Überraschung für mich.

Die unangenehmste Erfahrung waren die englischen Mädchen. Wild durcheinander gackernd und kichernd, hat man sich zunächst versucht mit gebrochenem deutsch mit mir zu sprechen und Floskeln runterzureissen, die lernen das wohl in der Schule. Ich kam mir ein wenig wie ein Versuchskaninchen vor. Am Bus angekommen schloss ich vorne auf, die Mädchen warteten an der Busmitte mit Ihren Koffern. Ich habe hinten die Tür aufgemacht, und die Kofferräume entriegelt sowie kurz etwas auf einen Zettel geschrieben.

Als ich wieder rauskam war keines der Mädchen mehr draussen, aber ihre Koffer haben Sie genau da einfach stehen gelassen, wo sie sie vorher selbst gestanden haben, mindestens aber 5m weit entfernt vom Kofferraum. Die Lehrerinnen haben mir dann teilweise die Koffer rübergeschoben, aber wohl auch nur nachdem sie mein etwas sparsames Gesicht bemerkt hatten.

Als ich wieder in den Bus stieg, kam die nächste Überraschung. Die Mädchen hatten komplett und eng zusammengerutscht die letzten drei Reihen des Busses besetzt, weiter vorne saß überhaupt niemand, nur ganz vorne die beiden Lehrerinnen.

Aufgrund der Ruhe vorne im Bus wurde es dann doch eine angenehme Rückfahrt, auch weil ich mich sehr interessiert mit der Lehrerin auf deutsch und englisch unterhalten konnte, vorzugsweise aber sprach sie fliessend deutsch.

Tja, so unterschiedlich kann es laufen…

2 Antworten zu “Von deutschen, türkischen und englischen Mädchen”
  1. Gerd sagt:

    Bus fahren kann ja ein interessanter und unterhaltsamer Job sein

  2. Kätzchen sagt:

    Herrlich…tja, die gackernden, englischen Hühner kann man ja auch regelmäßig auf dem Aachener Weihnachtsmarkt bewundern, wenn sie schulklassenweise da aufschlagen. Zu erkennen immer an den kitschigsten, blinkensten Weihnachtsmützen und von Weitem hörbar.

  3.