Eigentlich habe ich den Busführerschein ja, weil ich Spaß am Bus fahren habe und das ist auch nach wie vor so. Aber die Bürokratie und die trotz der EU ganz unterschiedlichen Ansichten der Behörden in den einzelnen Ländern können einen schonmal wahnsinnig machen.

Jetzt hat sich die EU ja neben den einheitlichen Führerscheinen und Vorschriften auch eine verpflichtende Weiterbildung für Busfahrer ausgedacht (Für LKW-Fahrer gilt das natürlich auch). So weit so gut. Generell eine gute Idee und durchaus sinnvoll.

Ein Busführerschein muss alle fünf Jahre verlängert werden. Neben den bisher notwendigen ärztlichen Bescheinigungen müssen in Zukunft auch Nachweise über die absolvierten Weiterbildungen vorgelegt werden. 35 Stunden innerhalb von 5 Jahren sind vorgeschrieben. Um das Ganze praktikabel zu machen hat man eine Übergangsfrist geschaffen. So kann man in seinem gewohnten fünf Jahres Rythmus bleiben und eben mit der nächsten bzw. übernächsten Führerscheinverlängerung mit den Weiterbildungen beginnen. Das Ende der Übergangsfrist ist 2015. Ab 2015 muss also jeder Busfahrer die Weiterbildungen nachweisen, um weiterhin gewerblich Bus fahren zu dürfen.

Ich habe meinen Führerschein Ende 2009 also nochmal ohne den Nachweis für die Weiterbildung verlängert und muss diesen dann bei der nächsten Verlängerung 2014 erstmals erbringen, damit mein Führerschein wieder für fünf Jahre verlängert wird.

Der Nachweis über die Weiterbildung wird durch eine Nummer im Führerschein angezeigt und zwar die 95. Hat man diese Nummer in seinem Führerschein stehen, ist das der Nachweis, dass man die Weiterbildung erbracht hat und gewerblich Bus fahren darf. Da die Weiterbildung aber erst ab 2015 Pflicht ist, steht diese Nummer jetzt natürlich nicht in meinem Führerschein.

Jetzt sind die Italiener aber auf die Idee gekommen, dass man die Nummer aber jetzt schon braucht. Weil das Gesetz ja schon gilt und alle Führerscheinneuerwerber seit 2008 die entsprechende Grund/-Weiterbildung auch schon erbringen müssen und demnach die 95 im Führerschein stehen haben. Es ist also vorgekommen, dass Busfahrer kontrolliert wurden und aufgrund der fehlenden Nummer 95 empfindliche Strafen zahlen mussten. Super!

Die Lösung ist, dass man sich die 95 bis 2015 auch ohne Weiterbildung im Führerschein eintragen lassen kann. Nur kommt das jetzt erst raus, wo es die Probleme gibt, bei meiner Verlängerung Ende letzten Jahres hat da niemand was von gewusst. Wenn man jetzt also auch im Ausland weiterhin ruhig fahren können möchte bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als den Führerschein neu austellen zu lassen. Natürlich zu den entsprechenden Gebühren.

Ähnlich toll ist es mit der Fahrerkarte gelaufen. Die wurde ja auch von der EU eingeführt, um darauf die notwendigen Aufzeichnungen des digitalen Kontrollgerätes für jeden Fahrer zu speichern. Grundsätzlich einen Gute Idee. Man schleppt nur noch eine Chipkarte mit sich rum und nicht mehr bis zu 28 Tachoscheiben und es kann auch nicht mehr so einfach geschummelt werden. Die Fahrerkarte kam aber auch so über Nacht und auf einmal brauchte man die zwingend. Also hat man für ca. 40 Euro eine beantragt.

Jetzt ist aber Clou, dass auf der Fahrerkarte die Führerscheinnummer steht und diese ändert sich bei jeder Führerscheinverlängerung. Da wird nämlich die letzte Stelle um eins erhöht. Folge: da die Fahrerkarte auch jeweils fünf Jahre gültig ist, aber meistens vom Fahrer in einem anderen Rhytmus als der Führerschein verlängert werden muss, sind die Führerscheinnummern auf beiden Karten immer eine Zeitlang ungleich. Im Ausland hat man das jetzt wohl als Geldquelle entdeckt und lässt die betroffenen Fahrer Strafe zahlen.

Das Ende vom Lied ist, dass ich wohl mit dem Führerschein auch meinen Fahrerkarte nochmal neu beantragen werde, damit die Nummern identisch sind. Tolle Sache, vor allem, wenn einem das niemand erzählt, sondern man nur aus den Problemen anderer Fahrer lernen kann.

5 Antworten zu “Die Leiden mit dem Busführerschein”
  1. Sven sagt:

    Jaja, die liebe Grundqualifizierung…
    Ich habe damals extra eine Umschulung gemacht, um diese Grundquali zu bekommen – die 95 habe ich aber trotzdem nicht in der Fahrerlaubnis stehen!

    Und was die Fahrerkarte betrifft, so bin ich seit langer Zeit einer der wenigen die fordern, dass der Chip für JEDE FE-Klasse direkt auf den Führerschein kommt, denn man kann eh kein Fzg der Klasse C/C1/C1E/CE/D/DE mehr ohne eines von beidem gewerblich bewegen.

    Aber das wäre ja wieder zum einen zu einfach, und zum anderen zu günstig…

  2. Nadine sagt:

    Genau das mit dem Chip auf dem Führerschein fordere ich auch seit es die Fahrerkarte gibt. Aber an die Fahrer denkt man ja zuletzt!

  3. Brummbaer66 sagt:

    Das hätte ja sogar den Vorteil für die Rennleitung, dass wer, dem die Führerschein-Karte abgenommen wurde, auch keine Fahrerkarte mehr hat und deshalb gar nicht erst in Verlegenheit kommt, doch zu fahren.
    Ich fürchte nur eins, dass es nämlich irgendwann für jemanden, der zwar „höhere“ Klassen hat und bisher mit Fahrzeugen mit alter Tachoscheibe für den privatgebrauch fahren konnte, dieses unmöglich wird, weil es dann nur noch Fahrzeuge gibt, die man nur noch mit entsprechender Karte in Betrieb nehmen kann :-/
    Ich seh mich beim nächsten Umzug schon bei Eurocar Avis und Konsorten stehen und kriege keinen 7,5tonner, weil ich zwar A,B,C,D1,E und so weiter auf dem rosa Lappen stehen hab, aber keine Fahrerkarte besitze- die ich als Schreibtischtäter ja auch nie brauche.

  4. Nadine sagt:

    @Brummbaer66:
    Deshalb gibt es beim Digitacho OUT OF SCOPE. Damit diese Fahrzeuge auch ohne Karte bewegt werden können. Was ja auch so häufig vorkommt.

  5. Sven sagt:

    Ausserdem:
    Die Fahrerkarte ist eine Nachweiskarte der Arbeitszeiten – also für den GEWERBLICHEN Güterkraftfverkehr ab 3,5to – ein Umzug ist, wenn selbst ausgeführt, eine reine Privatfahrt – somit ist hierfür keine Fahrerkarte erforderlich, leider.

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