Das ging schnell! Nachdem ich die Absage für weitere Aufträge erhalten hatte, habe ich noch am gleichen Tag einen weiteren Busunternehmer im Umkreis angesprochen, und ein paar Tage später kam der erste Auftrag.

Morgens bin ich erst mit einem VW LT rumgefahren, abends dann eine Fahrt über 30km über die Dörfer, mit Dreiachser-Bus, 14 Meter lang. Im dunklen. Ohne Erfahrung auf so einem Fahrzeug.

Nun, wer mich kennt weiss, dass ich vor sowas Respekt habe, mich aber trotzdem da ran traue. Aber hier war wirklich volle Konzentration angesagt.

Erstmal habe ich den Bus nachmittags nach meiner letzten Fahrt von der festen Fahrerin übergeben und erklärt bekommen. Nebenbei habe ich Ihr noch beim reinigen geholfen, auch so lernt man einen Bus kennen.

Die Bedienung des Bova ist etwas ungewöhnlich, die Symbole auf den Schaltern aber größtenteils schlüssig.

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Der kleine Tacho ist gewöhnungsbedürftig, aber auch das geht recht schnell. Einige Eigenarten des Busses muss man einfach wissen, die Fahrerin hat mich darüber auch nicht im Dunklen stehen lassen. Zum Beispiel kann man, wenn man aus einer Kurve kommt und mit eingeschlagener dritten Achse rückwärts fahren will, diese anheben und dann zurücksetzen ohne dass die Räder radieren.

Und jedem Morgen Kühlwasser nachfüllen, der Bus verbraucht einiges. Na super…

Dann ging es los, und bereits bei der Ausfahrt auf dem Hof merkte ich, dass der Bus nicht weniger wendig als ein 12m Modell ist, ich würde fast sagen damit kommt man besser um die Ecken. Worauf man sich aber echt einstellen muss ist, dass durch die Lenkachse hinten der Überhang bis zu 2 Meter herausschwenken kann! Also immer schon beim Abbiegen die Spiegel im Auge behalten, dann geht’s schon.

Bei mir um die Ecke kann man den Bus problemlos parken, und so habe ich dann bis halb 11 gewartet, bis meine Gruppe fertig war. Es stand ein Besuch bei den Höhnern im Circus Roncalli an, die derzeit auf dem Bendplatz gastierten.

Die Rückfahrt klappte dann auch gut, ich hatte mir eine Strecke über die Dörfer rausgesucht, die zwar etwas weiter war aber einfach zu fahren aussah, und so war es dann auch. Problemlos stand der Bus um 0 Uhr wieder auf seinem Platz.

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Auf dem letzten Bild kann man erahnen was einem hier blüht, wenn man sich die letzte Achse einmal weg denkt, denn genauso verhält sich der Bus. Die Achse läuft ja einfach nur mit. Dann stelle man sich eine scharfe Linkskurve vor, zum Beispiel beim Abbiegen, und schon hat man hinten rechts ein parkendes Auto oder ein Schild gestriffen.

Mein Auftraggeber meinte, dass schon jeder Fahrer der Firma einmal irgendwo angestoßen sei, ihn selbst eingeschlossen. Eigentlich will ich mich da nicht einreihen, mal schauen ob mir das gelingt.

Ein Mißgeschick gab es dann aber doch: Ich habe den Schlüssel aus Versehen mit nach Hause genommen, der Tag war dann insgesamt doch wohl zu lang…

6 Antworten zu “Die 14-Meter-Erfahrung”
  1. Marco sagt:

    Bitte „Bova“ für die unkundigen erklären …

  2. Martin sagt:

    Bova ist eine niederländische Busmarke und gehört zur VDL Bus & Coarch Group
    http://www.vdlbuscoach.com/

    Derzeit findet man immer mehr Bova und Van Hool Busse auf dem deutschen Markt, weil sie im Preis-Leistungs-Verhältnis sehr attraktiv sind.

    Bestückt sind sie in der Regel mit DAF Motoren.

  3. Marco sagt:

    Vielen Dank für die Erklärung!

  4. Kätzchen sagt:

    aus Versehen den Schlüssel mitgenommen…jaja…du hast einfach noch nicht genug Busse, was? 😉

  5. Brummbaer66 sagt:

    Das schaut im dritten Bild doch tatsächlich so aus, als ob der Bova Wasser läßt. Wär also kein Wunder, wenn dann der Kühler ständig aufgefüllt werden will.

  6. R.G. sagt:

    Wir haben hier einen 15-Meter-Wagen, den ich nur alle paar Wochen mal fahre. Wo man mit dem Gelenkzug bequem abbiegen kann, muss man mit diesem Raumschiff zwei Spuren dichtmachen, damit man rumkommt und dabei niemanden aus der Spur fegt. In Innenstädten sind die Dinger eine echte Plage. In jedem Betrieb mit Dreiachsern, den ich kenne, wird in den Werkstätten über diese Busse geflucht – ständig Probleme mit der Nachlaufachse und viel mehr Unfallschäden als an Zweiachsern. Von daher, im Linienverkehr lieber gleich auf Gelenkzüge setzen und im Reiseverkehr auf Doppeldecker. Ein Revival der Gelenkreisebusse wird wohl ein Wunschtraum von mir bleiben…

    Zu den Bovas: Ja, anfangs ist das Armaturenbrett und vor allem die Anordnung des Retarders irritierend, aber man findet sich schnell zurecht. Länger hat es bei mir gedauert, bis ich endlich ein Feingefühl für die Kupplung entwickelt hatte und es schaffte, ruckelfrei zu schalten. Ganz generell sind die Bovas keine schlechten Autos. Vor allem die Verarbeitung ist auf konstant hohem Niveau, was man von Evobus und MAN nicht behaupten kann, da musste ich in letzter Zeit einige Klapperkisten erleben, die alle noch keine 50 TKM auf dem Tacho hatten. Überarbeiten könnte Bova mal die äußerliche Gestaltung seiner Fahrzeuge – dieses „vorne rund, hinten eckig“ wirkt recht unzeitgemäß. Ich bin neulich mit einem Bova, der jetzt rund ein Jahr alt ist (und gewaschen war!), vor einer Schule vorgefahren und hörte einen der Schüler sagen: „So’n alter Bus, der ist doch bestimmt schon 20 Jahre alt…“

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