Ich fahre ja für zwei Unternehmen, nennen wir es mal Unternehmen A und B. Die Behinderten-Touren fahre ich für Unternehmen A, die 14m Reisebusse sind von Unternehmen B. Beide kooperieren auch miteinander, so dass man hier keinerlei Feindseligkeiten zu erwarten hat, das ist schonmal entspannend.

Für gestern fragte Unternehmen B an, ob ich eine Schulklasse nach Leverkusen fahren konnte, es ginge um 8:20 los. Könnte ich, ja, aber da gabs zwei Probleme:

1. müsste ich die Behinderten-Tour absagen weil ich den Buswechsel nicht so schnell hinbekomme, ich bin da erst um kurz nach 8 fertig, und
2. habe ich einen verbindlichen Termin in Moers, den muss ich wahrnehmen können.

Freundlicherweise wurde beides unkonventionell gelöst: Ich bin die Behinderten-Tour für Unternehmen A mit dem Bus von Unternehmen B gefahren, die Rechnung geht an A und wie die den Bus-Tausch untereinander regeln soll mir erstmal egal sein. Und der Bus wird in Leverkusen bis 16:30 Uhr nicht gebraucht, also könne ich zwischendurch nach Moers fahren.

So kam es dann auch, und damit ich zeitig dran war habe ich mich bei der Behinderten-Tour auch ordentlich beeilt. Bis 20 vor 8 lagen wir gut in der Zeit.

Dann auf einmal, in einem Wohngebiet, zwei Busse in entgegen gesetzter Richtung mit Warnblinkanlage, der Abstand dazwischen war so knapp dass kaum ein PKW durch gekommen ist. Leute am Strassenrand, irgendwas war passiert. Ich hab meinen Bus also mit Warnblinkanlage abgestellt und bin hin um zu fragen ob man was tun kann. Nein, wäre alles schon verständigt, danke.

Am Strassenrand saß ein kleines Mädchen im Schnee und hielt sich weinend das Bein, die beiden Busfahrer kümmerten sich drum, viel zu tun gab es aber nicht. Ich hatte noch empfohlen, das Kind auf eine Decke oder Jacke zu setzen weil der Schnee zu kalt ist, und habe mich dann wieder verdrückt.

Was war passiert? Ich habe das so verstanden:

Der Bus in meiner Fahrtrichtung hielt an der Haltestelle, das Mädchen wollte den selbigen noch schnell bekommen und lief, komplett dunkel gekleidet, über die Strasse. Ein PKW konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und hat das Kind in irgendeiner Form gestriffen oder touchiert. Unfälle mit Kindern finde ich immer besonders schlimm, die Tatsache, dass es sich aber nur das Bein gehandelt hat, hat mich zumindest etwas beruhigt.

Der Bus im Gegenverkehr, übrigens beides Long Wajongs, hatte mit dem ganzen Szenario eigentlich nichts zu tun. Gerade als ich zu Fuss unterwegs war um nach einer Stelle zum Wenden zu suchen, fuhr der Bus im Gegenverkehr langsam an der Unfallstelle vorbei, und blieb dann an meinem Bus stehen weil er dort nicht vorbei kam. Wie gesagt, wir befanden uns in einem Wohngebiet.

Ich also schnell zurück und zur Seite gefahren, dann hinter mir Martinshörner. Gut, dachte ich mir, die Strecke ist einigermassen frei, ich schlage, in dem ich weg fahre, zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens mach ich Platz, denn es war wirklich ein Gewusel an der Stelle, und zweitens kann ich meine Tour fortsetzen.

Tja, das funktionierte aber leider nicht, denn in dem Moment, wo ich mich genau neben dem Bus in meiner Fahrtrichtung befand, kam von hinten die Polizei und von vorn der Rettungswagen und keilten mich ein.

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Suchspiel, wer findet meinen Bus? Tipp: Er ist silbern… Genau, ausgesprochen beschissen, anders kann man die Situation nicht nennen. Ich hätte einfach dahinter bleiben sollen. Gut, nun war es passiert, und ich behinderte keinen, ausser die Polizei, die nun 14m weiter laufen mussten, sie waren aber nicht unfreundlich und ich hab mich direkt mit der Erklärung, dass ich es eigentlich ja nur gut meinte, entschuldigt…

Blick aus meiner Windschutzscheibe:

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Bevor Ihr mich als sensationsgeil hinstellt: Ich habe extra in einem Moment fotografiert wo man das Mädchen nicht sehen konnte. Das kann ich dann so durchaus mit meinem Gewissen vereinbaren.

Um ca. 8 Uhr löste sich das Ganze dann langsam auf, die Rettungskräfte haben sehr lange bei dem Mädchen im Rettungswagen verbracht, ohne dass dieser losgefahren ist. Eigentlich ein eher schlechtes Zeichen, aber ich habe natürlich nicht mehr nachgefragt.

Um 10 vor 8 hatte ich bereits bei der Schule angerufen, um Bescheid zu sagen, dass ich die Klasse keinesfalls pünktlich um 20 nach 8 aufnehmen kann, die Sekretärin wollte das so weiter geben.

Als ich dann endlich dort angekommen bin, hat mich die Gruppe und vor allem die Lehrerin mit sehr langem und versteinertem Gesicht erwartet und fing direkt an zu meckern. Ich erklärte kurz was passiert war und dass ich vorher extra angerufen hatte, aber die Sekretärin hat sie wohl leider nicht gefunden. Dumm gelaufen, aber mehr konnte ich nun wirklich nicht tun.

Die Fahrt nach Leverkusen ging zum Chempark, man hatte dort einen Workshop gebucht, welcher um halb 10 anfing. Ich habe mir dann aber verkniffen zu sagen, dass wir das auch nicht geschafft hätten, wenn ich pünktlich gewesen wäre. Mit ein paar Staus waren wir dann um kurz nach 10 vor Ort.

Der Rest lief beinahe planmäßig. Ich konnte nach Moers fahren und war dort dann auch nur 10 min zu spät, und musste lediglich auf einem Parkplatz ein etwas knappes Wendemanöver hinlegen.

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Hat aber geklappt, vor allem weil ich mir Zeit gelassen habe und ein paar mal ausgestiegen bin, um hinter den Bus zu schauen. Die Rückfahrkamera ist leider defekt…

Mit einem Abstecher über Dormagen war ich um halb 4 wieder in Leverkusen und habe im Eingangsbereich von Tor 11 gewartet, hier hatte ich meine Gruppe auch abgesetzt.

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Um kurz nach 4 kamen sie dann auch, auf der Rückfahrt fing es dann aber an, heftig zu schneien. Bis wir in Düren waren, war bereits die linke Spur wegen Schneeglätte gesperrt, zurück an der Schule waren wir um 19 Uhr. Zum Glück aber ohne weitere Komplikationen, es ging einfach nur langsam vorwärts.

Um 20 Uhr dann noch eine Transferfahrt von Aachen nach Vaals, und so war um 21 Uhr endlich Feierabend.

Tja, das war mein gestriger Tag. Ich glaub die Tachoscheibe sollte ich aber keinem zeigen, wobei… Ich müsste mal die Fahrzeiten zusammen rechnen. Eigentlich müsste es auch so gerade gepaßt haben.

Was ich aber auf Grund des Unfalls noch loswerden möchte: Liebe Eltern, kauft Euren Kindern bitte helle Jacken, auch wenn sie schnell dreckig werden. Ich fahre jeden morgen an 3 Schulen vorbei, und man muss aufpassen wie ein Schiesshund, dass man wirklich keine Kinder übersieht. Vielleicht wäre auch der Unfall vermeidbar gewesen, wenn dem PKW-Fahrer das Kind früher ins Auge gefallen wäre.

9 Antworten zu “Langer und gut durchgemischter Tag”
  1. Lutz sagt:

    Nun, solange kein Notarzt dazu gekommen ist, dürfte es nicht zu schlimm geworden sein. Aber natürlich wird so ein Kind erstmal von Kopf bis Fuss untersucht nach so einem Unfall, das kann schon ein paar Minuten dauern.

    Wirklich schlimm ist es, wenn der Notarzt kommt, und es dann noch lange dauert bis es los geht…

  2. Marco sagt:

    Deshalb haben sie hier Warnwesten in der Grundschule verteilt, welche die Kinder auch privat beim Spielen draußen tragen können / sollen – nicht nur auf dem Schulweg. Gute Aktion.

    Schade allerdings, dass diese nötig sind, weil einige Grundstückseigentümer ihre Wege nicht räumen und somit die Fußgänger auf die Straße zwingen.

    Zur Tour: da ist man trotz Wartezeiten platt, oder?

  3. Nadine sagt:

    Das mit den Tachoscheiben die man keinem zeigen kann solltest du dir abgewöhnen!!!

  4. das passt zu dem Jogger heute morgen um 5 mit schwarzen Klamotten – natürlich mitten auf der unbeleuchteten Fahrbahn…

  5. Moinsens!

    Also, kleiner Tip: Wenden immer über links, und zwar rückwärts. Rückfahrkamera und so’n Zeugs ist eh nur was für Weicheier. :-)

    In der gezeigten Situation also NICHT vorwärts nach links einbiegen, sondern weiter geradeaus, um dann rückwärts dort einzufahren – da kann man dann wenigstens den Kopf aus dem Fenster halten und sieht auch ohne Schnickschnack was los ist.

  6. Martin sagt:

    @Lutz
    der Notarzt kam nahezu zeitgleich mit Polizei und RTW.

    @Marco
    eigentich nicht, nur die Fahrerei durch den Schnee hat etwas an der Substanz gezehrt, man ist doch sehr sehr konzentriert

    @Nadine
    Das mache ich auch echt nur in Ausnahmefällen, und es ging witterungsbedingt einfach nicht anders. Aber ich habe heute nochmal genau nachgesehen: Abgesehen von 10 min die ich in die erste Pause reingefahren bin, hats in Summe genau gepasst!

    @Sven
    ich habe Anfangs so gestanden wie die Kamera schaut. Dann bin ich, weit nach links ausholend, hinter den parkenden Autos in eine Gasse rein, die man auf dem Bild nicht sehen kann. Dann mit links eingeschlagener Lenkung und angehobenem Bus über die Büsche drüber, rückwärts an das Schild dran, und wegen dem Schild musste ich eben aussteigen. Dabei ist auch das Bild entstanden. Dann kam noch Lenkung nach rechts und auf die Kamera zufahren, und damit hatte ich fertig gewendet.
    😉

  7. 😯

    O.K. ?!?! :mrgreen:
    Sag doch einfach, das war alles anders als es aussieht. 😉

    Halt die Ohren steif, und die Stossstange knitterfrei!

  8. Mike sagt:

    Also meiner Meinung nach sind Rückfahrkameras und andere elektronische Hilfsmittel (Abstandsradar, Spurassistent, etc.) keineswegs was für Weicheier denn sie erhöhen vor allem die Sicherheit, wen zB Fahrgäste hinten um den Bus laufen während eines Wendemanövers im Dunkeln würde ich meine Rückfahrkameras nicht mehr hergeben. Davon abgesehen dass man wenn man eine Reisebus voll hat bei einem Wendemanöver nicht 12 mal aussteigen kann und kucken kann obs noch geht.

  9. @Mike:
    Meine Aussage dazu war auch eher ironisch zu verstehen, und nicht ganz ernst, obwohl ich der felsenfesten Überzeugung bin, dass sich fast jeder Verkehrsteilnehmer zu sehr auf seine Helferlein verlässt und dadurch nur noch unaufmerksamer und fahrlässiger wird.

  10.