Eine der Transferfahrten, die ich hin und wieder übernehme, führte mich gestern in den Großraum Erkelenz, genauer gesagt in die Ortschaft Broschemich, östlich der A61. Bereits beim Einsteigen meinte einer der Schüler, die ich dort hingefahren habe, dass das wohl eine Geisterstadt wäre.

Etwas später war mir auch klar warum: Direkt angrenzend ist der Tagebau Gatzweiler, und Broschemich ist eine der Ortschaften, die sich gerade in Umsiedlung befinden. Das unter dem Google Maps Link weiter östlich zu findende Otzenrath wurde bereits dem Erdboden gleich gemacht, bzw. selbiger existiert gar nicht mehr, weil er wohl schon abgebaggert wurde.

Dies habe ich zum Anlass genommen, mal ein wenig über diese Umsiedlungen zu recherchieren und bin wie immer bei Wikipedia fündig geworden. Das Ganze findet gerade mal 50km von hier entfernt statt und ist wohl beispiellos.

Beinahe beklemmend ist es, wenn man dort durch die Strassen fährt. Nachdem ich die Klasse abgesetzt hatte, habe ich das nämlich noch ein wenig getan.

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Fast überall sind die Rollladen runter, nur noch wenige Bewohner halten die Stellung. Eine Müllabfuhr und Buslinie existiert noch, mindestens ein Geschäft im Ort hat noch geöffnet, und in der halben Stunde, in der ich dort rumgefahren bin und geschaut habe, bin ich einem PKW und einem Traktor begegnet.

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Geräumt sind die Strassen aber wohl noch.

Fährt man in einem Ort dem Sackgassenschild nach, stößt man sehr bald auf ein Feld mit Pumpstationen, dahinter befindet sich „das Nichts“ des Tagebaus. So weit habe ich mich mit dem Bus über den verschneiten Feldweg aber nicht vor getraut.

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Der Rückweg führte mich an Immerath vorbei, auch hier wird seit 2006 umgesiedelt. Irgendwie finde ich das Wahnsinn, was hier für den Abbau von nicht nachwachsenden, fossilen Brennstoffen getan wird. Zwischen Aachen und Köln, genauer gesagt bei Düren, wird sogar auf einigen Kilometern Länge die A4 Richtung Süden verlegt, damit hier weiter gebaggert werden kann.

Naja immerhin fliesst die Kohleförderung nicht in den Braunkohleabbau, sonst wäre das echt krank.

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Vereinzelte Schneeverwehungen auf dem Weg nach Immerath. Bloss nichts machen und nicht das Lenkrad verreissen 😉

2 Antworten zu “Winterwonderland in der Geisterstadt”
  1. Nadine sagt:

    Ich verfolge das schon seit meiner Kindheit, da meine Großeltern lange am Rande des Tagebaus gelebt haben und ich somit Stück für Stück mitbekommen habe, wie ein Dorf nach dem anderen verschwindet und letztendlich ja auch ein Stück der A44 ersatzlos weggefallen ist.
    Empfehlen kann ich allen Interessierten auch einen Besuch im Tagebau und dem angeschlossenen Infromationscenter. Sehr aufschlussreich und auch beindruckend, wenn man mal direkt neben einem dieser gigantisch großen Abbaubagger gestanden hat.

  2. Marco sagt:

    Meine Cousine wurde auch umgesiedelt. Schon irre. Bekamen irgendwo im Nichts ein Häuschen in einem Neubaugebiet. Mittlerweile fühlt sie sich dort aber wohl.

  3.