Letzte Woche hatte es einen Abend geregnet und über Nacht gefroren, die perfekte Basis für eisglatte Strassen. Und genau so ist es gekommen, glücklicherweise waren aber die Hauptstrassen und die meisten Nebenstrassen abgestreut und damit problemlos befahrbar.

Somit hat meine morgendliche Tour keine Probleme gemacht – bis zur letzten Station.

Für Ortskundige: Es geht die Strasse „Am Römerhof“ runter, und bereits beim anbremsen aus dem Standgas schlug das ABS an. Langsamer wurde der Bus aber nicht. Ich war nicht schneller als Schrittgeschwindigkeit und konnte mir in aller Ruhe überlegen, was ich nun mache.

Als erstes Mal die Automatik auf Neutral, der Bus muss ja nicht noch von hinten schieben. Dann voll auf die Bremse, es macht ja keinen Unterschied, das ABS löst die Bremse immer wieder. Nun wurde der Bus aber schneller, und ich war absolut machtlos, – ein wirklich unangenehmes Gefühl.

Noch ca. 50 Meter bis zur nächsten Kreuzung. Nur eine Nebenstrassenkreuzung, aber rechts vor links. Von rechts kam keiner, aber von links streckte ein PKW die Nase in die Kreuzung, fuhr aber zügig weiter. Auf seiner Route war die Strasse eben.

Und so schlitterten wir, immer noch schneller werdend, auf die Kreuzung zu. Den Bus vollbesetzt, und immer noch absolut machtlos.

Glücklicherweise war auf Höhe der Kreuzung die Strasse für 15 Meter eben, das Gefälle setzte aus, und der Bus kam langsam zum stehen. Durchatmen, überlegen, was mache ich nun? Weiterfahren kommt nicht in Frage, die Strasse ist im weiteren Verlauf genauso steil und unten gibts eine T-Kreuzung, da habe ich keine Chance unfallfrei anzuhalten.

Während ich so überlege, vielleicht 5 Sekunden, knallt es hinten kräftig – ein Auffahrunfall. Der PKW, den ich im Rückspiegel sehe, konnte nicht mehr anhalten, und ein weiterer PKW kommt angeschlittert.

Somit erübrigt sich die Weiterfahrt. Motor laufen lassen, Handbremse anziehen, Jacke an, aussteigen und schauen ob jemand verletzt ist. Im Bus kann nichts passiert sein, es hat zwar geruckt, aber nicht mehr als wenn man an der Ampel etwas forsch stehen bleiben würde.

Was ich zu sehen bekam, was dieses hier:
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Der Fahrer des blauen PKW kam ebenfalls wie ich den Berg runter gerutscht und hat noch versucht, seitlich an dem stehenden Bus vorbei zuschlittern, hat aber nicht mehr gepasst.

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Der Bus hat ein Rücklicht kaputt, und ein paar Schrammen am Heckblech. Der PKW braucht eine neue Tür…

Der silberne Wagen ist ebenfalls an den Bus gestoßen, aber weder am Bus noch am PKW gab es Spuren, Glück gehabt.

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Der Pflegedienst-Fahrer ist beim Versuch, aus der geparkten Stellung den Berg hoch zu kommen, immer weiter zurückgerutscht und hat rechtzeitig aufgegeben, sonst hätte der auch noch drin gehangen.

15 Minuten später kam die Polizei, der Fahrer merkte gerade noch rechtzeitig, dass er besser auch noch nicht runterfahren sollte. Ein Versuch, rückwärts wieder den Berg raufzufahren ist aber gescheitert.

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Auf dem nächsten Bild mal ein Blick voraus, da fahre ich garantiert nicht runter. Ein Versuch, einen anderen Bus zu bekommen und die Fahrgäste umzuladen, ist hier ebenfalls sinnlos.

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Da meine Fahrgäste aber alle mehr oder weniger geistig und körperlich behindert sind, muss was passieren. Das nahe gelegene Wohnheim schickt auf Anruf netterweise drei Pfleger runter, die sich um meine Fahrgäste kümmern, nehmen sie mit zur Toilette ins Wohnheim und bringen sie auch wieder zurück.

Einer der Polizisten war übrigens sehr nett, der andere hatte echt schlechte Laune. Er hat sie zwar nicht an uns ausgelassen, aber war doch alles andere als freundlich. Zum Dank, so sagten die anderen Unfallbeteiligten, hat er sich beim Begutachten des Schadens direkt auf die Nase gelegt.

Naja, dass die Strasse eisglatt war, wusste er eigentlich.

Direkt als die Polizisten aufgetaucht sind habe ich mir übrigens den freundlicheren gegriffen und ihn gebeten, sofort bei der Stadt einen Streuwagen zu bestellen, weil wir alle so nicht weiterfahren konnten und ich den Behinderten auch keinesfalls einen längeren Aufenthalt als nötig zumuten wollte.

Nach einer halben Stunde kam dieser dann auch, und was soll ich sagen? Auch der ist noch fast in die Unfallstelle reingeknallt, da hat höchstens ein halber Meter gefehlt. Wie blöd muss man sein, da mit Vollgas runter zu heizen?

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Was der dann rausgehauen hat, kann kein Streusalz gewesen sein, auch wenn es von der Färbung her reinweiss war.

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Die Strasse war augenblicklich nass und griffig und es konnte sofort weitergehen.

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Eine ordentliche Menge von dem Zeug kam zum Einsatz.

Eine unaufmerksame Passantin hat ihren Hund direkt nach dem Streuwagen durch das Mittel laufen lassen, der hat aber nicht angefangen zu humpeln, was mich dahingehend bestätigt, dass es kein Salz sondern ein Auftaumittel gewesen sein muss. Trotzdem seltendämlich!

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Noch einmal bergauf abstreuen, dann war der Spuk zu Ende. Gut eine Stunde hatten wir hier gestanden, einige Behinderte mussten nochmal zur Toilette und die Pfleger boten an, diese mit ihren PKWs zur Werkstatt zu bringen.

Sehr nett! Wenn die nicht gewesen wären, hätten wir im Bus ernsthafte Probleme bekommen. Auch wenn es sie wohl nicht erreicht, auf diesem Wege noch einmal mein herzliches Dankeschön für ihren selbstlosen Einsatz!

7 Antworten zu “Blitzeisunfall”
  1. Salz IST ein Auftaumittel, sogar ein sehr effektives. Der einzige Zweck des Salzstreuens besteht darin, den Schmelzpunkt von Wasser zu senken und damit das Eis aufzutauen.

  2. Martin sagt:

    Ich glaub nicht dass das Salz war, das ging so unglaublich schnell, und die Konsistenz war mehr flockig als körnig…

  3. SPages sagt:

    Der wird wohl sowas – http://de.wikipedia.org/wiki/Feuchtsalz – hinter sich geworfen haben

  4. maik sagt:

    Die Ohnmacht am Steuer. Das Fahrzeug rutscht und Du kannst nix machen. Darauf kann wohl jeder verzichten.

    Achso: Wieder ein toller Beitrag von Dir. Macht Spass zu lesen 😉

  5. Martin sagt:

    Dankeschön :)

  6. […] ging es den Berg hinunter, an dem ich letzte Woche den Unfall hatte. Am Strassenrand wird gebaut, ebenfalls am Strassenrand steht ein Container. Blöderweise […]

  7. Kalliey® sagt:

    Du schreibst echt gut. 😉 Ich find so ne Rutschpartie mit nem PKW schon nicht so prickelnd, aber das ganze dann mit einem Bus? Ne, da könnte ich verzichten. Das Blitzeis hatten wir hier aber auch, heftig wie schnell das kommt….

  8.