Es gab bei dem Unternehmen, bei dem ich morgens fahre, schon zwei MAN-Reisebusse aus den 90ern, und natürlich auch noch diverse Linienbusse, aber die sind alle schon in die Jahre gekommen. Und während das Aachener Linienbus-Unternehmen ausschliesslich auf Mercedes Citaro fährt (abgesehen von dem Long Wajong), mehren sich „bei uns“ die MAN Busse.

Auch im Alltag fallen mir die MANs immer mehr auf, die Bundeswehr fährt zum Beispiel auch diese Marke. Also scheinen die Münchner etwas richtig zu machen und kommen immer mehr im Bus-Sektor auf den Markt. Gefertigt werden die Reisebusse aber wohl in Ankara, Linienbusse in Polen. Schade eigentlich, würde der deutschen Wirtschaft gut tun. Aber irgendwoher müssen die offensichtlich niedrigen Preise ja kommen.

Also, als erstes kam mir ein recht moderner Reisebus unter die Finger, und nach ein wenig Eingewöhnung kam ich damit einigermassen klar. Das Ding ist ein Koloss und fühlt sich auch genau so an. Den genauso großen Mercedes Tourismo fahre ich dagegen fast wie einen PKW, aber das ist auch unbestritten „mein“ Bus :)

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Das Ding ist allerdings 3,85 m hoch, was mir an einer Brücke am Westbahnhof fast zum Verhängnis wurde. Die war aber zum Glück rund und in der Mitte passte es.

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Das Cockpit ist übersichtlich, nur einige Schalter verstecken sich hinterm Lenkrad. Links oben gibts ein Steuergerät für einen Baumot Partikelfilter. Sowas nachzurüsten kostet für Nutzfahrzeuge einen guten vierstelligen Betrag, vielleicht auch knapp fünfstellig. Dafür kann man auch nen neuen PKW kaufen :)

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Was ich nicht so ganz verstehe ist die Ladedruckanzeige. Erinnert mich ein wenig an die Spritverbrauchsanzeige in alten BMW-Pkws, und hat wohl auch denselben Effekt. Was mir dafür völlig fehlt ist eine Uhr, sowas braucht mal im Bus einfach unbedingt und zentral dauerhaft eingeblendet. Die Hersteller scheinen das durch die Bank nicht so ganz zu verstehen.

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Was ich auch merkwürdig finde ist die Gang-Anzeige in der Mitte. Ich weiss wirklich meistens in welchem Gang ich mich befinde, oder schalte intuitiv, das passt schon. Wozu dann sowas? Da bitte die Uhr hin!

Tatsächlich habe ich nach blättern der Anleitung dann eine Uhr gefunden. Dazu muss man einen sehr kleinen Knopf unter dem Tacho drücken und kann die Temperaturanzeige im Tacho gegen eine Uhranzeige tauschen. Naja, besser als nichts.

Ansonsten fährt sich der Bus gut, aber irgendwie charakterlos. Gut, das intererssiert den Fahrgast aber nicht und für den ists in Ordnung.

Weiter ging es letzte Woche. Die Frage aus der Dispo „Hast Du ne Fahrerkarte“ konnte ich wohl als einer der wenigen im Unternehmen bejahen. Busse mit digitalem Kontrollgerät (eben diese Karte anstatt der Diagrammscheibe) sind hier echt noch Mangelware.

Nun stehen aber hinter der Werkstatt 5 nagelneue Linienbusse, ebenfalls Marke MAN. Und die brauchen eben die Fahrerkarte, und so durfte ich freundlicherweise die ganze Woche durch ein und denselben Bus fahren. Das hat doch auch mal was!

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Der Fahrerarbeitsplatz:

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Kann man den km-stand sehen? 1090 :)

Im Prinzip ist dies ein nahezu gleich gebliebener Nachfolger des Standard-Busses, das Cockpit unterscheidet sich nicht großartig von den früheren Modellen. Man findet sich sofort zurecht, und es gibt keine dramatischen Veränderungen. Einsteigen und losfahren also.

Offensichtliche Unterschiede sind der Drehschalter für das automatische Getriebe, die etwas anderen Instrumente, der Rest findet sich auch schnell. Das Lenkrad wird zur Verstellung frei gegeben, wenn man auf den Knopf unten auf dem Boden vor der Lenksäule tritt, auf dem Bild schön zu sehen. Im Gegensatz zu früher verstellt sich aber nur noch das Lenkrad. Früher kam das gesamte Armaturenbrett mit!

Nach und nach nach finde ich mich aber besser in dem Auto zurecht und nehme mir in ein paar freien Minuten auch mal die Anleitung zur Hand. Wie man eine Uhrzeit anzeigen kann, weiss ich ja nun, das geht hier netterweise genauso wie in dem Reisebus. Tatsächlich finde ich in der Anleitung aber auch nichts neues, ausser eine erweiterte Funktion der Spiegelverstellung: In Mittelstellung läßt sich der Spiegel zur Beobachtung der Fahrgäste verstellen. Das ist allerdings mal ein nettes Gimmick.

Was mir negativ auffällt ist, dass es keine wesentliche Verbesserung für die Heizung des Fahrerplatzes gibt. In diesem Fall sogar nicht mal eine Klimatisierung. Da hätte ich mehr erwartet, viele Linienbusse haben dafür ein Dinschacht-Steuergerät, welches alles von selbst macht.

Was auch fehlt, ist so banal wie lästig: Ein Halter für einen Kaffeebecher. Unterwegs springen viele Fahrer mal irgendwo rein und holen sich einen Becher Kaffee, und dann steht man da… Auch eine sichere Abstellmöglichkeit gibt es nicht – nur auf dem Boden. Ich habe mich daher für den mittleren Drehschalter der Fahrer-Belüftung entschieden, das ging halbwegs.

Tatsächlich gibts aber im Fahrgastraum einen gravierenden Unterschied: Alle Plätze haben Dreipunkt-Gurte! Für die morgendlichen Fahrten mit Schülern und Behinderten ist das super! Wo ich sonst schonmal eine dunkelgelbe Ampel überfahren habe, damit mir die Kinder beim Bremsen nicht durchs Auto purzeln, kann ich nun auch schonmal bedenkenlos etwas stärker in die Eisen gehen.

Und der Busbegleiter hat ein neues Wort gelernt. Nun heisst es nicht mehr „Hinsetzen! Ruhe!“ sondern „Anschnallen!!“

2 Antworten zu “Mal was neues – MAN-Busse”
  1. Bjoern sagt:

    MAN… mochte ich noch nie. Ich 10 lange Jahre fast ausschliesslich mit Bussen mit den drei Buchstaben zu tun, wirklich schlechter als die mit dem Stern sind sie nicht, aber die utopischen Ersatzteilpreise, Kundendienst und das in Dachau fast komplett vorhandene Desinteresse an der eigenen Firmengeschichte machen es mir sehr schwer, MAN zu moegen; das Design hat mir zudem noch nie gefallen. Doch: die alten F8-Fernverkehrs-Laster aus den 70er und fruehen 80er Jahren fand ich toll und bei den Standardbussen der ersten Generation gab’s keine grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Herstellern.
    MAN verkauft mit den aktuellen Baureihen Busse, die in Polen gefertigt und zu Preisen verkauft werden, die einer Fertigung in Deutschland entsprechen. Mercedes baut seine Linienbusse ausschliesslich in Mannheim, der Regional- und Kombibus Integro kommt teilweise aus Frankreich, die Billigbusse Connecto und Tourismo aus der Tuerkei, hier stimmt aber auch der Preis. Wenn Bus aus Polen, dann kann die Antwort nur Solaris heissen, dort baut man sehr hochwertige Busse mit Edelstahlaufbau, die Technik kommt ja bis auf die Dieselmotoren ohnehin bei allen Herstellern aus denselben Regalen von ZF, Voith, Bode/Kiekert, Siemens und anderen.

  2. Mike sagt:

    Die Anzeige des Ganges im Display kommt daher das bei Automatik und Schalter die selben Displays verwendet werden, da wir nicht extra ein Unterschied gemacht.

    Konnte mich auch nach einigen Probefahrten noch nicht mit MAN anfreunden, bin und bleibe sofern die 5er Reihe die 4er Reihe angemessen beerbt bei Setra, sind zwar nicht billig, aber hab noch keinen 4er Setra gesehen bei dem man die zB bei einem 2 Jahre alten Cityliner wegen Rost die Seitenwand tauschen musste!!

    mfg

    Mike

  3.