Letze Woche Donnerstag war eines meiner Ziele, um Fahrgäste aufzunehmen, eine deutsche Kaserne im Aachener Süden. Mehr wusste ich nicht, und der mehr als schroffe Türsteher und Schrankenaufhalter welchen Ranges auch immer (ich habe von dem ganzen Offiziergedöns keine Ahnung), wusste ebenso wenig. „Wenn jemand kommt schicke ich den zu Ihnen, fahren Sie bitte sofort vom Tor weg!“

Naja gut, ich stand quer vor der Kasernen Ein- und Ausfahrt gleichzeitig, mag sein dass die das nicht mögen.

Um viertel nach 10 war immer noch keiner da, für 10 Uhr war ich bestellt. Ein Anruf in der Dispo ergab „warte mal, die lassen sich manchmal Zeit“.

Okay…

Während des Telefonates hielt auf der anderen Strassenseite ein älterer Herr mit einem reisemäßig voll gepacktem Fahrrad und fragte mich nach „Rottgen“ und meinte natürlich Roetgen („Röttchen“ gesprochen). Ich bat ihn, herüber zu kommen und blätterte derweil in der Karte. Tatsächlich war es nur zweimal abbiegen, aber immerhin gut 15km fahren.

Von der Himmelsleiter habe ich ihm erzählt, das wäre beeindruckend, und gefragt wo er denn hin wollte. Nach Koblenz, war seine Antwort. Das Gespräch fand übrigens auf beiderseits perfekt gebrochenem Englisch statt.

Und woher käme er? Aus Amsterdam, er wolle zurück nach Hause, nach Mailand. Oha! Mit dem Fahrrad? Ja, genau. Immerhin wusste ich nun warum er genauso gut englisch sprach wie ich.

Ich habe ihm noch eine weniger bergige Alternative über Köln, Bonn und das Rheintal empfohlen, das wären aber deutlich mehr km meint er.

In diesem Moment kamen meine Fahrgäste und stiegen wortlos in den Bus ein, und die komischen blauen Uniformen fielen mir erst so garnicht recht auf. „Ah“, meinte der Radfahrer, „looks like italian carabinieri!“. „No no“, war meine Antwort, „this must be german army“. Ganz klar, ich stand ja vor einer deutschen Kaserne.

Der Verabschiedung war etwas hastig weil ich meinen Platz einnehmen musste, wir haben uns aber noch schnell alles Gute wünschen können, er war sehr herzlich und dankbar für meine Hilfe.

Als ich meine Fahrgäste angesprochen habe, erntete ich nur wirre Blicke. Und ein Blick auf den Aufnäher auf den Jacken liessen mir den Mund offen stehen:

CARABINIERI

In großen Buchstaben. Ein Blick nach unten: Reitstiefel und Sporen. Das Fahrziel: zum Chio, dem weltgrößten Reitturnier, welches letzte Woche in Aachen statt gefunden hat.

Alles klar…. Wie blöd bin ich eigentlich? Da sind nun als die Leute bei mir im Bus, die die Eröffnung des Reitturnieres geritten sind. Prominenz, wenn man so will! Und ich kapiere mal wieder garnichts. Naja gut, wie soll man auch darauf kommen, dass die offensichtlich in der Kaserne übernachtet haben.

ich habe mich dann aber doch noch nett mit ihnen unterhalten, und von dem radfahrenden Landsmann erzählt, das allerdings stieß auf wenig Interesse. Mit einer herzlichen Bedankung, weil ich sie auf recht unkonventionelle Weise ziemlich direkt an ihr Lager gefahren habe, verliessen Sie dann am Chio-Gelände den Bus.

Was blieb war ein Hauch von Pferdeduft im Bus. Und der Wunsch, dass ich mich länger mit dem Radfahrer hätten unterhalten können, – auf perfekt gebrochenem Englisch.

Eine Antwort zu “Carabinieri”
  1. bernd sagt:

    …auf perfekt gebrochenem Englisch… den Ausdruck muss ich mir unbedingt merken!

  2.