„Angekommen in Ginsheim-Gustavsburg. Auf den Autokennzeichen steht GG, das heißt aber Groß-Gerau. Und die Menschen sprechen komisch hier. Ich glaub „babbele“ nennen die das. Komische Gegend…“

So lautete mein Facebook-Eintrag zu dieser durch und durch angenehmen Bus-Reise, als ich nach etwas über drei Stunden fahrt meine Fahrgäste bei einer Kirche in besagtem Ort nahe Mainz herausgelassen habe.

Anlass war eine Goldene Hochzeit, das Jubelpaar (sag man wohl so tatsächlich, mir war das neu) ist vor einigen Jahren aus Stolberg hier runter gezogen, um näher bei den Kindern zu sein, die aus jobtechnischen Gründen umgezogen sind. Ich habe mir allerdings sagen lassen, dass der Hauptgrund für den Umzug eher die Enkelkinder gewesen sind 😉

Jedenfalls ist Ginsheim-Gustavsburg nicht besonders groß, und so macht es fast keinen Unterschied, ob man auf einer Hauptstrasse oder einer Nebenstrasse parkt.

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In diesem Fall war es eine Nebenstrasse, aber vor einem Grundstück welches noch nicht bebaut wurde. Dieser Parkplatz lag genau zwischen der Kirche, in der die Messe statt fand und dem Restaurant „Altrhein Schänke“, in dem die Gruppe von immerhin 70 Personen den Rest des Tages verbringen wollte. Tatsächlich habe ich die Hälfte der Gesellschaft mit dem Bus her gebracht, die andere Hälfte kam mit dem eigenen PKW oder wohnte hier vor Ort.

Bereits auf meinem Fahrauftrag stand, dass ich eingeladen bin, an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Als ich die Fahrgäste in Stolberg aufgenommen habe, wurde mir das noch einmal gesagt, und vor Ort wurde ich schliesslich von dem Jubelpaar persönlich begrüßt und nochmals ausdrücklich eingeladen, und das wirklich überaus herzlich.

Im Restaurant fand zunächst ein Sektempfang statt, von dem ich mich zunächst zurückgehalten habe. Direkt beim Eintreffen wurde mir aber mein Platz schonmal gezeigt, ich hatte tatsächlich einen eigenen Platz mit Nameskärtchen:

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Und dort konnte ich auch direkt mal einen Blick auf die Speisekarte werfen:

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Super, oder? Da bleibt man doch gerne dabei! Ich habe mich allerdings erstmal zum Personal an die Theke gesetzt. Das ist schlecht zu erklären, aber Irgendwie ist man bei solchen Anläßen dem Servicepersonal im Restaurant mehr verbunden als den Gästen. Schliesslich ist man als Busfahrer aber auch irgendwie mehr dem Service als dem Gast zuzuordnen.

Also habe ich mich an einer Tasse Milchkaffee festgehalten und ein wenig mit den Damen hinter dem Tresen rumgeflachst, während man sich draussen beim Sektempfang begrüßt und beglückwünscht hat.

Tatsächlich mutet die Altrhein Schänke auf den ersten Blick mehr wie eine bessere Kneipe an. Jedoch ließ die Art und Weise, wie die Tische gedeckt waren, schon im Vorfeld den Eindruck entstehen, dass man hier mehr zu erwarten hatte.

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Neben zwei Gläsern fand man hier bereits für jeden Gang des Menüs einen Satz Besteck vor.

Soweit ich das überblickt habe, war das ein Familienbetrieb. Familie Schneider war komplett anwesend, der Chef ist gelernter Koch und hat somit in der Küche rotiert, die Chefin war hinterm Tresen und die Tochter hat bedient. Freilich mit noch mit mehreren weiteren Kräften, sonst wäre das alles nicht zu bewältigen gewesen.

Gegen 13 Uhr ging es dann mit dem Salat los, und da staunt der Busfahrer nicht schlecht:

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Spätestens hier wird klar, dass dies keine „normale“ Kneipe ist.

Den Hauptgang habe ich nicht fotografiert, der war aber ähnlich dekorativ, und vor allem saulecker! Kann man nicht anders sagen! Den Nachtisch habe ich dann wieder bei den Mädels an der Theke eingenommen, denn an meinem Platz im hinteren Bereich des Restaurants herrschte akuter Sauerstoffmangel.

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Und weil sich die Pausen zwischen den Gängen arg gezogen haben, wurde auch ein Liedchen nach dem anderen angestimmt. Gut, das kann auch an dem Wein gelegen haben, der karaffenweise bestellt und aufgetischt wurde.

Nach dem Nachtisch habe ich mich dann zurückgezogen und einen dringend notwenig gewordenen Verdauungsspaziergang eingelegt, denn auch die Umgebung ist sehr nett und hat eine dörfliche bis kleinstädtische Athmosphäre.

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Der Abend nahm seinen Lauf und ich habe mich weiterhin aus den nun doch recht losgelösten Feierlichkeiten rausgehalten und meine Zeit weiterhin an der Theke verbracht. Als gegen 21 Uhr die Zeit des Aufbruchs näher kam, hatte ich offensichtlich das volle Mitgefühl der Thekenbesatzung, denn ich musste die immer noch laut singende Gruppe ja noch ca. 3 Stunden nach Hause fahren.

Und so hat man auf meine Frage nach einem „Milchkaffee to go“ ohne zu Zögern zu einem recht unkonventionellen Mittel gegriffen, denn normale Kaffeebecher zum mitnehmen gab es leider nicht. Der Ersatz den man mir statt dessen mitgab, war mehr als ungewöhnlich:

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Das Ergebnis: tatsächlich ein halber Liter Milchkaffe to go, und das sogar Mundgerecht :)

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Sobald wir unterwegs waren, schlug im Bus die ausgelassene Stimmung aber erwartungsgemäß recht schnell in Müdigkeit um, und spätestens auf der Autobahn waren gut die Hälfte meiner Fahrgäste eingeschlafen.

Um Mitternacht waren wir dann wieder in der Heimat, und wirklich alle, inklusive dem Busfahrer, waren mit dem vergangenen Tag mehr als zufrieden :)

Mein besonderes Lob an dieser Stelle gilt noch einmal explizit der Familie Schneider aus der Altrhein Schänke in Ginsheim-Gustavsburg, die an diesem Tag wirklich großartige und sehr hochwertige Arbeit geleistet haben. Ich kann die Gastbewirtung und vor allem das aufgetischte Menü nach meinem Empfinden wirklich nur als „verborgene Sterneküche“ bezeichnen und ausdrücklich empfehlen!

3 Antworten zu “Ginsheim-Gustavsburg”
  1. Andreas sagt:

    Busfahrer und Djs sind Berufs-, bzw. Berufungsgruppen die für das Essen auch noch bezahlt werden

  2. Nadine sagt:

    Was Busfahrer angeht, ist das auch ok so. Du würdest dir bei einem normalen Busfahrergehalt kein tägliches Essen an der Raststätte leisten wollen/können und das man von Kunden eingeladen wird, kommt auch vor, aber sicher nicht täglich.

  3. Banchan sagt:

    Bin in Ginsheim aufgewachsen. Die Leute da sind schon ein bisschen komisch … aber jetzt,nachdem ich diesen Eintrag gelesen habe vermisse ich „meinen“ Ort irgendwie :/

  4.