Nein, das wird kein Zugführer-Blog und ich bin auch nicht unter die Zugtester gegangen, auch wenn ich das im kleinen am letzten Wochenende gemacht habe. Eine meiner Touren führte mich nach Paris, genauer zum Flughafen Charle de Gaulle. Für den Kollegen ging es von da aus weiter gen Süden, für mich wieder nach Hause. Wenn man schon am Flughafen ist, liegt ein Flug nach hause natürlich nahe, aber es gab keine vernünftige Möglichkeit. Da es am Flughafen Charle de Gaulle auch einen Fernbahnhof gibt, war der Zug als Alternative schnell gewählt.

Nachdem mich zwei Staus 1,5 Stunden Zeit gekostet hatten, die ich eigentlich lieber in Form einer ausgiebigen Pause kurz vor dem Flughafen verbracht hätte, war ich Just-In-Time am Flughafen. Just-In-Time insofern, weil mein Zug um 13:10 Uhr (der nächste erst 4 Stunden später) fuhr und der Kollege erst wieder um 12:55 Uhr fahren durfte. Das ließ ein Zeitfenster von 15 Minuten, um vom Bus zum Bahnhof zu kommen und ein Ticket zu kaufen. Wir haben das Fenster um 5 Minuten erweitert, indem ich um 12:50 Uhr aus dem Bus ausstieg und der Kollege dann noch 5 Minuten stehen musste. Am Terminal 2 in Charle de Gaulle nicht so leicht, da darf man nämlich nirgends mit dem Bus mal eben halten und damit das auch eingehalten wird, steht alle 50 Meter ein Polizeibeamter. Man muss also auf den teuren Busparkplatz, der aber für mich einen deutlich weiteren Fußweg bedeutet hätte. Da ich jetzt eh schon sehr knapp in der Zeit war, haben wir nach zwei Runden doch eine Stelle gefunden, wo wir kurz anhalten konnten.

Ich hab also meine Tachsoscheibe rausgenommen, meine Tasche geschnappt und bin im Laufschritt ins Terminal rein. Die erstbeste uniformierte Dame (eine Stewardess) habe ich nach dem Weg zum Bahnhof gefragt und bin dann losgerannt. Es war dann doch ein ganzes Stück und selbst laufend brauchte ich 5 Minuten vom verlassen des Buses bis zum Bahnhof (unter anderem über 3 dieser langen Förderbänder). Mein Kollege (ein Franzose) hat mir den Tip gegeben die Fahrkarte am Automaten zu kaufen und erstmal nur für die erste Etappe, dann würde es schneller gehen. Ich also an den erstbesten Automaten und nach kurzem probieren musste ich feststellen, dass sich an diesem nur Tickets für Innlandsverbindungen kaufen lassen. Was jetzt? Noch 12 Minuten bis der Zug abfährt. Direkt hinter mir stand eine Dame in Uniform und gab Auskünfte, ich also hin und gefragt, an welchem Automaten ich denn ein Ticket für den TGV nach Brüssel kaufen könnte. Ihre Antwort: „Gar nicht mehr!“. Nach einem kurzen Blick auf ihre Uhr erweiterte sie ihre Antwort um: „Wenn dann noch im Ticketcenter“. Ich also im Laufschritt ins Ticketcenter um es auch gleich wieder zu verlassen. Da standen etwa 30 Personen an. Ich bin dann einfach an einen der gelben Ticketautomaten (vorher war ich an einem Grünen) und siehe da, hier konnte ich das gewünschte Ticket innerhalb von weniger als 2 Minuten kaufen und mit Kreditkarte bezahlen. Mit dem Ticket in der Hand (unbedingt noch entwerten) bin ich dann zum Bahnsteig und ich stand keine Minute dort, da fuhr der Zug ein.

Mit meinem Ticket für den TGV nach Brüssel Midi hatte ich gleichzeitig eine Sitzplatzreservierung erhalten. Mein Sitz war schnell gefunden und glücklicherweise blieb der Platz neben mir frei. 70 Minuten sollte die Fahrt dauern und eigentlich wollte ich etwas schlafen, ging aber nicht! Denn gemütlich ist anders. Die Sitze in der 2. Klasse im TGV mögen schick aussehen, sind aber nicht bequem. Die Rückenlehne lässt sich nicht verstellen und die Beinfreiheit ist so mäßig, dass ich nicht mal im Sitz nach unten rutschen konnte, ohne gleich Kontakt mit meinem Vordersitz zu haben. Die Fußstütze kennt zwei Positionen: hoch oder runter. Ist sie unten, eignet sie sich nur für Menschen welche deutlich kleiner (ich = 178cm) als ich sind und ist sie oben, stößt man sich ständig die Schienbeine dran. Es gibt einen großen und stabilen Klapptisch sowie eine Leselampe an jedem Sitz. Diese und die Hutablage finde ich echt gut. Die Leselampen sind direkt im Sitz integriert und konzentrieren somit das Licht wirklich auf den einen Sitz und nicht wie bei den in der Decke angebrachten Leselampen auf die ganze Umgebung. Die Hutablage ist eine weitere schmalere Ablage direkt unter der Kofferablage und bietet eben Platz für Hüte, Jacken, Handtaschen. Für großes, schweres Gepäck gibt zusätzliche Ablagen am Anfang und Ende jedes Wagons. Die Toilette habe ich kurz aufgesucht, diese war deutlich enger als im ICE und stank so sehr, dass ich kein Foto machen wollte. Die Fahrt verlief reibungslos, ich döste und hörte Musik und nach 70 Minuten war ich in Brüssel.

In Brüssel hatte ich reichlich Aufenthalt und ging erst mal in das Ticketcenter. Ich brauchte ja noch eine Fahrkarte für die restliche Strecke. Im Ticketcenter wurde ich sehr positiv überrascht. Zum einen wird man von 1-2 Mitarbeitern in Empfang genommen und nach der Sprache und dem Ziel gefragt. Dann bekommt man eine Wartenummer für einen Mitarbeiter, der einem dann auch in der eigenen Sprache entsprechend weiterhelfen kann. Ich habe kurz gewartet und bin dann an meinen Schalter. Die Dame hat sich wirklich Zeit für mich genommen und alle möglichen Verbindungen geprüft (ich kannte meine bevorzugte Verbindung zwar schon, aber ich fand es gut) und mir letztendlich die zwei besten Möglichkeiten erklärt: eine Schnellere und eine Günstigere. Weiter ging es dann mit dem Thalys bis Köln und von da mit dem ICE nach Düsseldorf.

Der Thalys war pünktlich und auch hier hatte ich mit meinem Ticket automatisch eine Sitzplatzreservierung erhalten. Dieses Mal saß ich nicht allein und der Zug war auch deutlich voller. Die Sitze aber auch deutlich bequemer als im TGV. Die Rückenlehne ließ sich verstellen, aber nur auf Kosten der nicht allzu großzügigen Beinfreiheit (ähnlich wie im TGV). Das heißt, wenn man die Rückenlehne nach hinten neigt, rutscht die Sitzfläche nach vorne. Die Fußrasten sind wie im TGV entweder hoch oder runter. Runter ist auch hier zu hoch für mein Gefühl bzw. meine Beine, hoch aber deutlich angenehmer als im TGV. Ich stoße mir nicht ständig die Schienbeine. Es gibt ebenfalls einen Klapptisch an jedem Sitzplatz, der stabil und ausreichend groß ist und zwei schöne Features bietet. Zum einen eine Haltevorrichtung für Flaschen, Dosen und was man sonst noch so auf dem Tisch positioniert und zum anderen ein Halteband wo man super die Tickets oder ein Buch festklemmen kann und so direkt zur Hand hat. Es bleibt mehr Platz auf dem Tisch und nichts rutscht hin und her.

Bis Köln dauerte die Fahrt etwa 1,5 Stunden. In Köln hatte ich nur ein paar Minuten Zeit um das Gleis zu wechseln und dummerweise habe ich den Moment zum aufstehen verpasst. Als ich bei der Bahnhofseinfahrt aufstand, war der ganzen Gang schon voll und ich musste warten, bis alle vor mir den Zug verlassen hatten. Am Nachbargleis stand schon mein ICE. Ich also wieder im Laufschritt los. Treppe runter und nebenan wieder Treppe hoch und so gerade noch in den Zug.

Im ICE hatte ich für die kurze Strecke keine Sitzpplatzresevierung (wobei ich es als guten Service empfinden würde, wenn diese bei einem Normalpreisticket inkludiert wäre). Der Zug war nicht voll und so fand ich problemlos einen Platz. Tja, was soll ich zum ICE schreiben? Die meisten sind sicher schon selbst damit gefahren und kennen den Zug.

Mein Fazit: am besten sitze ich im ICE. Die Sitze sind für mein Empfinden ordentlich bequem und die Beinfreiheit am größten. Die Sitzlehne lässt sich verstellen und lässt mir dennoch genügend Beinfreiheit um auch mal im Sitz nach unten rutschen zu können. Danach folgt für mich der Thalys. Hier ist mir eigentlich nur die Beinfreiheit zu gering, sonst fand ich ihn bequem und die dreisprachigen Ansagen (französisch, englisch, deutsch) sehr praktisch. Dreisprachig gab es auch im ICE nach Amsterdam (deutsch, niederländisch und englisch) und hier nicht vom Band, sondern live! Im TGV war’s zweisprachig (französisch, englisch). Der TGV ist zwar farblich schick gemacht von innen, aber ich fand die Sitze unbequem und hatte zu wenig Beinfreiheit.

Letzendlich waren alle Züge pünktlich und ich wie erwartet zu hause!

Fotos folgen dann noch heute Abend, die habe ich gerade nicht zur Hand :-) Jetzt mit Fotos

 

2 Antworten zu “TGV, Thalys & ICE (jetzt mit Fotos)”
  1. Alexnader sagt:

    Deinen Vergleich ICE – TGV kann ich so bestätigen. Bin früher regelmäßig von Kaiserslautern nach Frankfurt gependelt, und da ist die schnellste Verbindung der TGV bzw. ICE von Frankfurt über Mannheim, Kaiserslautern und Saarbrücken nach Paris. Wenn es irgendwie machbar war, hab ich meinen Feierabend so gelegt, daß ich mit einem ICE fahren konnte, da der deutlich komfortabler als der TGV ist.

  2. muetze sagt:

    hi nadine wenn du mal wieder in Frankreich bist und nur ganz kurz Zeit hast vor nem Zug dann kannst du normalerweise einfach in den Zug steigen und dir dann beim Schaffner ne Karte holen. Du sagst einfach das du keinerlei Zeit mehr hattest oder so und dann haben die normalerweise kein Problem dir ne Karte auszudrucken wenn du die bezahlst. hab ich auch schon gemacht weil ich ich im Bahnhof keine Möglichkeit mehr hatte (war schon nach Geschäftszeiten, der Schalter zu und der Automat nur mit Karte) und hab mir dann einfach im Zug beim Schaffner ne Karte geholt. War zwar nur ein TER (nahverkehr) aber ich vermute mal das es im TGV auch klappen sollte.

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