Seit einiger Zeit fällt mir in Aachen ein weisser MAN-Linienbus mit der Aufschrift „Die Aseag fährt Hybrid“ auf, Grund für mich, mal zu recherchieren. Und siehe da, bereits seit Anfang August setzt die Aachener ASEAG diese einen Hybridbus im Linienverkehr ein. Den „MAN Lion’s City Hybrid“ testet das Unternehmen zunächst für rund zwei Monate.

Das besondere an dem Fahrzeug ist sein Energiespeicher: Statt Batterien befinden sich Hochleistungskondensatoren – sogenannte Ultracaps – auf dem Dach, die beim Bremsen elektrische Energie aufnehmen und beim Anfahren wieder abgeben.

Dass diese Funktionsweise den Verbrauch eines Linienbusses immens senken dürfte steht ausser Frage, denn die Busse fahren fast immer mit Vollgas an, die Bewegungsenergie wird während der Anfahrt an die nächste Haltestelle beim Verzögern über die Bremsscheiben dann in Wärme umgesetzt und verpufft. So kommen Linienbusse auf einen Verbrauch von mindestens 40, bei Gelenkbussen oft 60 oder mehr Liter Diesel auf 100km.

Der MAN verfügt hingegen über einen seriellem Hybridantrieb. Zwei gekoppelte Elektromotoren mit je 75 Kilowatt, also insgesamt 204 PS Leistung treiben den Bus an. Beim Bremsen übernehmen die Motoren die Verzögerung und arbeiten als Generatoren und wandeln die Bremsenergie nicht in Wärme sondern in elektrische Energie um, die in den Ultracaps auf dem Dach des Fahrzeugs gespeichert werden. Laut Hersteller sind diese wartungsfrei und sollen zehn Jahre und damit nahezu ein ganzes Busleben halten. Die Lebensdauer der aktuell noch häufiger genutzten Lithium-Ionen-Batterien ist nach bisherigem Wissenstand nur halb so lang.

Rund 300 Meter kann der Bus mit der gespeicherten Bremsenergie rein elektrisch zurücklegen. Der geplante Testbetrieb findet auf der Ringlinie 13B statt, denn die kurzen Wege zwischen den Haltestellen ermöglichen im innerstädtischen Bereich ein nahezu rein elektrisches Fahren.

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Bei längeren Distanzen oder leerem Speicher schaltet das Energiemanagement-System automatisch den Dieselmotor zu. Ob dieser nur den Speicher auflädt oder ob er wirklich zum Antreiben des Busses genutzt wird, konnte ich nicht in Erfahrungen bringen, weiss da jemand näheres?

Ich finds zusammen gefasst super. Nirgends wird mehr Energie verbraten wie im Linienbetrieb. Da macht ein Bus, der die Bremsenergie nutzt, wirklich Sinn.

Interessanterweise experimentiert man seid den 1950er Jahren schon mit der Energierückgewinnung, damals wurde beim so genannten Gyrobus eine Schwungmasse in Bewegung gesetzt, mit der der Bus zum einen 6km fahren konnte und zum anderen auch die Bremsenergie wieder eingespeist wurde. Auf Grund der im Wiki-Artikel genannten Nachteile hat sich das Konzept leider nicht durchgesetzt, auch das hätte mir gefallen.

Wer sich tiefergehend mit dem Thema „Nutzbremse“ beschäftigen möchte, findet einige Infos in einem weiteren Wiki-Artikel.

2 Antworten zu “Der erste Hybrid Bus bei der Aseag”
  1. Bjoern sagt:

    Ein Seriellhybrid faehrt immer elektrisch, das schreibst Du ja auch. Der vermutlich recht kleine Dieselmotor laeuft u.U. (es gibt verschiedene Ansaetze) immer mit zum Antrieb der Hilfsbetriebe wie Kompressor, Lenkhilfepumpe und Lichtmaschine.
    Der benoetigte Strom zum Anfahren und Beschleunigen wird soweit moeglich den Hypercaps entnommen, erst wenn die Ladung nicht mehr ausreicht kommt der Dieselmotor ins Spiel, der bei hoeheren Drehzahlen ueber den angeflanschten Generator die benoetigte Menge Strom liefert.
    Hier in London fahren mittlerweile 300 Hybridbusse mit dieser Technik, etwa 25% Kraftstoff wird so eingespart.
    Es gibt auch ein paar Busse mit Parallelhybrid, hier sind Elektro- und Dieselmotor ueber ein Summiergetriebe mit nachgeschaltetem mechanischem iShift-Schaltgetriebe (Volvo) mit der Antriebsachse verbunden. Angefahren wird im Idealfall im 1. Gang elektrisch, beim Schalten in den 2. Gang wird der Dieselmotor angelassen, der dann zusammen mit dem E-Motor die Arbeit leistet. Hier werden die Hilfsbetriebe offenbar elektrisch oder ueber Akkumulatoren betrieben.

  2. Stefan sagt:

    Auszug aus :
    http://www.hybrid-autos.info/Nutzfahrzeuge/MAN/lions-city-hybrid-2010.html

    Mit der Energie aus den Ultracap-Modulen kann der MAN Lion’s City abgasfrei und geräuscharm beschleunigen und – je nach Einsatzbedingung – eine Strecke von bis zu zweihundert Metern zurücklegen. Ist der Energiespeicher leer, schaltet sich automatisch der umweltfreundliche MAN-Dieselmotor im Heck des Busses zu, um mit Hilfe eines Generators den Strom für die elektrischen Fahrmotoren an Bord zu produzieren. Für die Stromproduktion kommt im Lion’s City Hybrid ein kleinvolumiger MAN Sechszylinder-Dieselmotor mit 6,9 Liter Hubraum und einer Leistung von 184 kW (250 PS) zum Einsatz. Der sparsame Dieselmotor mit moderner Common Rail-Einspritzung erfüllt den freiwilligen Abgasstandard EEV und verfügt über einen geregelten CRTec®-Partikelfilter, der bis zu 99 Prozent der Rußpartikel aus dem Abgasstrom filtert. Der Dieselmotor wird überwiegend in seinem optimalen Drehzahlbereich mit reduzierter Dynamik betrieben.

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