An der Burg Vogelang in der Eifel bin ich schon zigmal vorbei gefahren, aber ich hatte noch nie die Gelegenheit, diese Anlage zu besuchen. Vor einiger Zeit bot sich dann aber doch einmal die Gelegenheit, eine Oberstufe mit zwei Bussen dort hinzufahren und an einer Führung sowie einem Vortrag teilzunehmen.

Wenn man durch die Schranke kurz hinter dem Kreisverkehr auf die Zufahrtstrasse fährt, hat man zunächst noch keine Ahnung, wie groß und weitläufig diese Anlage ist, das sollte sich später zeigen.

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Nach ein paar hundert Metern bot sich ein Parkplatz am Informationszentrum.

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Hier beginnt auch der Aufenthalt der Gruppe mit einem Vortrag im ehemaligen Kino. Einige Schüler haben ein Bühnenstück vorbereitet, welches in Form von recht beeindruckenden Dialogen rund um einen einfachen Tisch mit einer einfachen Leselampe vorgetragen wurde. Diese Konstellation hat dem Stück die nötige Dunkelheit verliehen, so dass den Akteuren die Aufmerksamkeit Ihrer Mitschüler sicher war.

Durch das Stück wird auch mir vermittelt, wovon ich bisher keine Ahnung hatte, nämlich was Vogelsang früher gewesen ist. Kurz und knapp gesagt: Eine von den Nazis errichtete Festung zur Ausbildung junger Nachwuchsdiktatoren. Die Elite-Arier wurden hier gedrillt, trainiert und motiviert, um die zukünftige Existenz des deutschen Reiches zu sichern und die Grenzen auszuweiten.

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Nach dem Bühnenstück wurde ein weiterer Redner angekündigt, der mich vor Ehrfurcht zunächst erstarren ließ, denn er war mit deutlich über 80 Jahren einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, der damals schon ein junger Erwachsener war und der auch Willens war, quasi aus erster Hand zu berichten, wie es damals gewesen ist. Diese Erzählungen ließen mich mehr als einmal einen dicken Kloß im Hals runterschlucken.

Nach einiger Zeit hat sich dann aber doch Ernüchterung breit gemacht, denn auf einmal fing er an, von seinem mittlerweile zweiten Buch zu berichten. In diesem hat er angeblich den Stein der Weisen gefunden und deckt nach eigener Aussage auf, warum dem deutschen Volk damals so etwas nur passieren konnte. Immer mehr ging er auf sein Buch ein und hat der ganzen Situation dadurch irgendwie die Glaubwürdigkeit entzogen, denn nun hatte man den Eindruck, dass man sich auf einer Verkaufsveranstaltung befindet. Wirklich schade.

Dann ging es wieder raus. Die Zeit war durch die Buchanpreisung leider weiter fortgeschritten als geplant, so dass wir die Führung über die Anlage stark abkürzen mussten. Fast alle Gebäude sind gut erhalten oder restauriert, hier sieht man die Unterkünfte und Sportstätten in Hanglage mit Blick auf den Rursee.

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Der Fackelträger spielt auf Vogelsang eine besondere Rolle…

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…wie interessierte auf diesem Schild lesen können.

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Der Mann mit der roten Jacke über dem Arm und der „Napoleon’schen Geste“ ist der besagte Zeitzeuge, ich kann mich leider nicht mehr an den Namen erinnern.

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Von hier aus ging es wieder zum Bus zurück und wir fuhren nach Hause.

Wenn sich nochmal eine Fahrt mit Führung anbietet, werde ich wieder daran teilnehmen, und hoffentlich etwas mehr zu sehen bekommen.

Eine Antwort zu “Burg Vogelsang”
  1. Marco sagt:

    Mir geht es wie Dir. Ich bin schon etliche Male durch den Kreisverkehr gerauscht, war aber trotz der Wohnortnähe noch auf dem Gelände. Interessanter erster Einblick, der auf jeden Fall den Wunsch geweckt hat, sich das Areal mal in Natura anzusehen.

  2.